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14.12.2020 Maximilian Völkl

ThyssenKrupp: "Staatliche Beteiligung vom Tisch"

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ThyssenKrupp

von ThyssenKrupp. Finanzvorstand Klaus Keysberg hat dieser Idee nun eine klare Absage erteilt. Doch die IG Metall will sich damit nicht abfinden und reagierte empört auf die Worte. Das Thema bleibt damit brandheiß.

Er halte das Nein für „unverantwortlich“, so IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. „Wir werden einen Staatseinstieg weiter mit Hochdruck verfolgen.“ Kerner ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp.

Finanzvorstand Keysberg hatte der Rheinischen Post gesagt: „Das Thema staatliche Beteiligung ist vom Tisch.“ Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds sei nicht das geeignete Mittel, um den Stahlbereich in der aktuellen Situation mit Eigenkapital zu unterstützen. „In unserem Fall wäre eine solche Beteiligung aufgrund der Zinszahlungen und der Rückzahlungsmodalitäten mit so hohen Kosten für das Unternehmen verbunden, dass durch die zusätzliche Belastung die Zukunftsfähigkeit des Stahls ernsthaft gefährdet würde.“ ThyssenKrupp hatte im vergangenen Geschäftsjahr mit der Stahlproduktion einen Verlust von fast einer Milliarde Euro gemacht.

Die Gewerkschaft warf dem Management vor, nicht alle Möglichkeiten für staatliche Hilfe ausgelotet zu haben. „Es gibt nicht nur den Wirtschaftsstabilisierungsfonds, auch andere Lösungen sind möglich. Warum nicht eine echte Beteiligung des Landes NRW an ThyssenKrupp Steel?“, sagte Kerner. Er verwies auf Niedersachsen, wo das Land am Stahlproduzenten Salzgitter beteiligt ist. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die NRW-Landesregierung hatten eine Beteiligung des Staats an ThyssenKrupp wiederholt abgelehnt.

Lösung nicht in Sicht

Der Essener Konzern steht bei der Sanierung des Stahlgeschäfts unter Zeitdruck. Bis März soll nach Angaben von Konzernchefin Martina Merz entschieden werden, wie es mit dem Kernbereich des Unternehmens weitergeht. ThyssenKrupp liegt ein Kaufangebot des britischen Konzerns Liberty Steel vor. Das sei eine „ernstzunehmende Option“. Alternativen mit anderen potenziellen Partnern hätten sich „zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinreichend konkretisiert“, sagte Keysberg.

Ein Alleingang beim Stahl sei weiter eine Option. „Es geht uns nicht darum, den Stahl loszuwerden“, so Keysberg. Dann seien aber weitere Einsparungen erforderlich, „um den Stahlbereich sehr zeitnah wieder in die Spur zu bringen“. Bislang sollen im Stahlbereich von ThyssenKrupp 3.000 Stellen abgebaut werden.

ThyssenKrupp (WKN: 750000)

Es drohen weiter harte Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Ein direkter Staatseinstieg bleibt alleine deshalb unwahrscheinlich, weil die Politik nicht mitspielt. Der Liberty-Deal dürfte gegen den Widerstand der Gewerkschaften aber ebenfalls kaum umsetzbar sein. Das zeigt einmal mehr, wie schwierig die Situation für das Management angesichts der unterschiedlichen Interessenlagen der Stakeholder ist. Anleger gehen das Risiko nach wie vor nicht ein und warten noch ab.

Mit Material von dpa-AFX