Nach der Erholung in der Vorwoche startet die Aktie von Thyssenkrupp auch in die neue Handelswoche mit Gewinnen. Das Mehrjahreshoch bei 12,48 Euro bleibt damit in Reichweite. Barclays hat in einer neuen Studie zwar das Kursziel angehoben, bleibt aber dennoch vorsichtig für den Industriekonzern.
Die Berichtssaison in der europäischen Stahlbranche sei bislang mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen verlaufen, ordnete Analyst Tom Zhang die Situation zuletzt ein. Aussagen zu den Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus in Europa würden darauf hindeuten, dass sich die Vorteile für den Stahlsektor erst im späteren Jahresverlauf zeigen würden.
Für Thyssenkrupp hob Zhang die Gewinnschätzungen dennoch an. Als Grund dafür nannte er vor allem die Wirkung der Strompreiskompensation im europäischen Stahlgeschäft. Mit seinen neuen Schätzungen würde er sich nach eigener Aussage der oberen Ende der Konsensspanne nähern, betonte der Analyst. Das Kursziel für den MDAX-Titel erhöhte er von 9,00 auf 9,50 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Underweight“. Mit dem neuen Ziel liegt Zhang noch immer rund 15 Prozent unter dem aktuellen Kursniveau – die Verkaufsempfehlung ist entsprechend folgerichtig.
Die operative Entwicklung und die anhaltend hohe Zyklik bei Thyssenkrupp sorgen dafür, dass die aktuelle Bewertung nach dem starken Lauf der vergangenen Monate nicht mehr günstig erscheint. Allerdings gibt es auch mehrere potenzielle Katalysatoren: Ein Verkauf des Stahlgeschäfts, ein Spin-off des Werkstoffhandels oder auch ein IPO oder Verkauf der Aufzugssparte, an der der Konzern noch einen Minderheitsanteil hält, würde viel Fantasie freisetzen. Wer investieren will, sollte sich großen Chancen wie auch großen Risiken bewusst sein und auch künftig mit kräftigen Kursausschlägen in beide Richtungen rechnen.
Heute, 09:58