18.08.2018 Andreas Deutsch

Thomas Gebert im Blitzinterview: Das passiert jetzt an der Börse

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DAX

Der Erfinder des Gebert-Indikators analysiert die Aktienmärkte seit Jahrzehnten. Er ist zwar bullish, doch die Anleger sollten gut aufpassen, was sie jetzt kaufen, sagt er.

DER AKTIONÄR: Herr Gebert, wie geht es mit dem DAX weiter?

THOMAS GEBERT: Gemessen an den Unternehmensgewinne ist der DAX sehr günstig bewertet. Kurse von über 16.000 wären Ende 2019 gerechtfertigt. Andererseits könnte in nicht allzu ferner Zukunft eine Rezession in den USA auf uns warten. Die Zinsdifferenz, 10-jährige minus 2-jährige Anleihen, beträgt nur noch 0,3 Prozent. Diese Differenz ist ein Maß für das Wirtschaftswachstum in einem Jahr. Wann immer dieser Wert auf null fiel, folgte eine Rezession. Also: Ende 2019 könnten wir wesentlich höher sein, aber zunächst sollte es seitwärts unter Schwankungen laufen. Ein Drama nach unten, selbst bei einer US-Rezession, fürchte ich nicht.

Welche Branche wird derzeit völlig unterschätzt?

Die Konsumgüter. Wegen der gestiegenen Anleiherenditen in den USA sind diese Werte, die oft als Anleiheersatz gekauft werden, sehr stark unter Druck gekommen. In einer unruhigen Börsenphase, während einer Wirtschaftsabschwächung in den USA, sollten diese Werte sich gut halten, weil dann die Anleiherenditen nachgeben werden. Also Nestlé, Unilever, Roche, Novartis, Coca Cola, Procter & Gamble und BAT wären relativ sichere Kandidaten.

Von welchen Aktien sollte man bloß die Finger lassen?

Von Tesla, Netflix, Amazon, Facebook, Alphabet, Twitter und Co. Hätten Sie mich vor einem halben Jahr gefragt, hätte ich diese Werte auch genannt und Sie wissen, wie die seitdem gestiegen sind. Also entweder ich habe die ganzen neuen Technologien und ihre Möglichkeiten Gewinne zu erzielen nicht verstanden – was durchaus sein kann – oder diese Werte werden auch mal wieder deutlich billiger. 

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