Mensch und Maschine Software (MuM) hat sich in den letzten Jahren strategisch klar weiterentwickelt: weg vom margenschwächeren Reselling-Geschäft hin zu eigenen Softwarelösungen und Dienstleistungen mit deutlich höherer Profitabilität. Das Unternehmen, das 1984 gegründet wurde und seit 1997 börsennotiert ist, hat einen soliden Start in das neue Geschäftsjahr verzeichnet und konnte Umsatz, Rohertrag und Gewinn steigern.
DER AKTIONÄR sprach mit Gründer und Chairman Adi Drotleff sowie CFO Markus Pech über die aktuelle operative Entwicklung, die Dividendenpolitik, mögliche Aktienrückkäufe und den Einsatz von KI.
DER AKTIONÄR: Herr Drotleff, wenn man den Kursverlauf der MuM-Aktie in den vergangenen Monaten heranzieht, könnte man vermuten, dass der Markt hier eine operative Schwäche einpreist. Jetzt haben Sie aber über das profitabelste Quartal der Firmengeschichte berichtet. Wie passt das zusammen?
Adi Drotleff: Da hat sehr viel Geopolitik hineingespielt, ebenso der KI-Hype im Kapitalmarkt. Nach fast 30 Jahren an der Börse habe ich mich eigentlich daran gewöhnt, dass die Kurse je etwa zur Hälfte von den Fundamentaldaten und vom Sentiment beeinflusst werden, in letzter Zeit fühlt es sich mehr nach 10 zu 90 zugunsten der irrationalen Seite an.
Lassen Sie uns auf die ersten drei Monate 2026 blicken, in denen der MuM-Konzernumsatz um 8,4 Prozent auf 71,6 Millionen Euro gestiegen ist. Was waren die Wachstumstreiber und welchen Anteil hatten Preiserhöhungen an den Erlössteigerungen?
Drotleff: Der Haupt-Wachstumstreiber im Q1 war die eigene MuM-Software mit plus 6,5 Prozent, was uns nach den etwas mauen plus 3,7 Prozent im Jahr 2025 sehr gefreut hat. Preiserhöhungen sind immer ein Teil des Wachstumsmix, aber nicht genau bezifferbar.
Herr Pech, bei EBIT und Nettogewinn konnten Sie zweistellig zulegen und neue Firmenrekorde erzielen. MuM ist ja bekannt dafür, die Kosten besonders gut im Griff zu haben, war das auch im ersten Quartal der entscheidende Treiber für die steigende Profitabilität? Oder gab es Sondereffekte?
Markus Pech: Das Beste ist immer ein guter Mix von Umsatzwachstum und Kostendisziplin. Wir profitieren jetzt davon, dass wir im Laufe des Jahres 2025 die Kosten entschlossen konsolidiert haben. Das ist auf der Ergebnisseite ein genauso wichtiger Wachstumstreiber wie die gestiegenen Erlöse bei eigener Software. Ein kleinerer Sondereffekt aus einem Teilverkauf der Israel-Niederlassung unserer Bausoftware-Tochter SOFiSTiK war auch dabei.
Ihren Q1-Bericht haben Sie überschrieben mit „Routinearbeit in der Software-Entwicklung – einfach an die KI delegiert“. Könnten Sie uns konkrete Beispiele nennen, wie MuM Künstliche Intelligenz bei der täglichen Arbeit einsetzt?
Drotleff: Was unsere Entwickler am meisten begeistert, ist die Möglichkeit, die wichtige, aber ungeliebte Dokumentation an die KI zu delegieren, zumal das mit nur minimaler Nacharbeit wohl gut funktioniert. Daneben sparen wir seit Jahren erhebliche humane Arbeitskraft durch automatisiertes Testen neuer Software-Releases per KI-Methodik. Interessanterweise wurde von unseren Entwicklungsleitern zwar auch das Erstellen simplerer Programmcodes per KI genannt, jedoch mit ziemlichen Einschränkungen bezüglich der notwendigen Kontrollen und Nacharbeiten durch menschliche Entwickler. Warum der Kapitalmarkt hier den drohenden Untergang der Software-Industrie sieht, ist uns ziemlich schleierhaft. Wir können aber bestätigen, dass der Produktivitätszuwachs durch gut dosierten KI-Einsatz erheblich ist.
Wie viele Stellen konnten Sie schätzungsweise durch den Gebrauch von Künstlicher Intelligenz bisher schon einsparen?
Drotleff: Unsere Entwicklungsleiter beziffern den Produktivitätszuwachs auf 20 bis 30 Prozent. Der MuM-Konzern beschäftigt rund 500 Techniker, das wären also 100 bis 150 eingesparte Stellen in diesem Bereich. Wenn man bedenkt, dass MuM in den vergangenen zehn Jahren ein Ergebniswachstum von rund 20 Prozent pro Jahr mit nur fünf Prozent jährlichem Kostenplus geschafft hat, erscheint diese Schätzung ziemlich plausibel.
Kommen wir zurück auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Rechnen Sie damit, dass sich die Dynamik des ersten Quartals im weiteren Jahresverlauf in ähnlicher Form fortsetzen wird?
Pech: Wir haben wenig Grund, für den weiteren Jahresverlauf pessimistisch zu sein, außer die geopolitische Lage würde völlig außer Kontrolle geraten. Das würde aber nicht nur MuM betreffen, sondern uns alle gleichermaßen.
Ihr Geschäft ist stark mit Bau, Infrastruktur und Maschinenbau verbunden. Wie resilient ist Ihr Geschäftsmodell wirklich, wenn sich die Konjunktur in diesen Sektoren – insbesondere in Deutschland – weiter eintrübt?
Drotleff: Da wir unseren Kunden helfen, ihre Prozesse zu verschlanken und Ressourcen einzusparen, ist unser Geschäftsmodell eher antizyklisch aufgestellt. Das sehen Sie daran, dass MuM trotz erheblichen konjunkturellen Gegenwinds in den vergangenen Jahren konstant auf der Wachstumsspur geblieben ist.
Sie sind ja auch bekannt dafür, bei niedrigen Aktienkursen selbst MuM-Aktien zu kaufen. Bis zu welchen Kursen sind Sie aktuell auf der Kaufseite unterwegs?
Pech: MuM geht beim Aktienrückkaufprogramm opportunistisch vor, kauft also dann, wenn es betriebswirtschaftlich Sinn macht. Das war schon bei Kursen knapp unterhalb von 50 Euro der Fall, allein weil wir auf die nächste Dividende in Höhe von 2,00 Euro über 4,0 Prozent an Dividendenrendite eingespart haben. Dieses Argument galt natürlich bei 35 Euro umso mehr, hier waren es schon 5,7 Prozent Ersparnis.
Bleiben wir beim niedrigen Aktienkurs: MuM ist seit 1997 an der Börse. Hinterfragen Sie manchmal den Sinn der Börsennotiz, insbesondere wenn der Markt wie aktuell die operative Stärke der MuM nicht ausreichend honoriert?
Drotleff: Nein, wir sind sehr gerne börsennotiert und hadern nicht mit temporär niedriger Bewertung, zumal wir ja über den Aktienrückkauf sogar einen Nutzen für unsere Aktionäre daraus ziehen können. Und sollten wir uns wirklich einmal fundamental unterbewertet fühlen, dann intensivieren wir einfach unsere IR-Arbeit.
Seit über 40 Jahren entwickelt MuM als Anbieter von Computer Aided Design/Manufacturing und Building Information Modeling (CAD/CAM/BIM) maßgeschneiderte Software, die es den Kunden aus den verschiedensten Branchen ermöglicht, Produktionsprozesse zu digitalisieren und zu vereinfachen. Mit Blick auf die operative Entwicklung und die Dividendenpolitik ist die Aktie für Anleger mit Weitblick auf dem aktuellen Niveau durchaus ein Blick wert.
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