Kommt jetzt der Crash? Im Zweifel: Kaufen
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11.08.2017 Benedikt Kaufmann

Snap: Keinesfalls kaufen

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DAX

Snap im freien Fall: minus 17 Prozent nachbörslich. Der Börsenneuling veröffentlichte gestern die Zahlen zum zweiten Quartal und enttäuscht. Umsatzerwartungen – weit verfehlt. Gewinne – weit gefehlt. Die Verlusterwartungen hat Snap jedoch übertroffen: Erwartet wurde ein Minus von 0,15 Dollar je Aktie; geliefert wurde 0,16 Dollar.

Seitdem Gigant Facebook bei der Foto-Messaging-App Instagram essentielle Funktionen von Snapchat abkopierte, ist das Nutzerwachstum beim Zwerg Snapchat dahin. Gegenüber dem ersten Quartal stieg die Anzahl der täglich aktiven Nutzer nur um vier Prozent auf aktuell 173 Millionen. Vor einem Jahr erzielte Snap im gleichen Zeitraum noch ein Nutzerwachstum von 17 Prozent.

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Entsprechend schwächer fällt auch das Umsatzwachstum von 153 Prozent aus. Sicher, ein dreistelliges Umsatzwachstum ist ein beeindruckendes Ergebnis – schwach erscheint es im Vergleich zum Vorjahr trotzdem. In Q2 2016 konnte Snap noch einen 1.255 Prozent Anstieg vermelden. Dieses raketenhafte Wachstum war der Grund für den Hype und die hohe Bewertung vor dem Börsengang. Ein Punkt, der aktuell nicht mehr existent.

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Was Snap bleitb, ist das rasante Steigen der operativen Kosten, des operativen Verlustes und des negativen Free Cash Flows.

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Der Hype ist vorbei – Ernüchterung kehrt ein. Noch ist kein Anzeichen dafür zu sehen, dass Snap seine operativen Geschäfte auf Vordermann bringen kann. Große Werbeagenturen berichten von einem Unternehmen in dem keine klare Linie gefahren wird und das schlechte Analyse-Daten bietet. Hart, wenn der Markt mit Facebook und Google über Alternativen verfügt, die seit Jahren mit extrem hohem Kapitaleinsatz ihr Werbegeschäft optimiert haben.

Bei kurz- und mittelfristig derart schlechten Vorzeichen kann es nur eine Empfehlung geben: Keinesfalls kaufen. DER AKTIONÄR behält für seine Leser die Aktie Snap dennoch im Blick, denn das Geschäftsmodell ist aussichtsreich. Das wichtigste Argument für Snap: In den USA schafft es keine App die Gruppe der 14- bis 18- Jährigen derart konzentriert zu erreichen wie Snapchat. Damit kann das Start-Up den Werbekunden eine Zielgruppe anbieten, die sich heutzutage nicht über Fernsehen, Print-Anzeigen oder das uncoole Facebook greifen lässt. Ein einzigartiger Vorteil den keiner kopieren kann.

Buchtipp: No Filter

Die preisgekrönte Reporterin Sarah Frier enthüllt in ihrem Blick hinter die Kulissen, wie Instagram zu einer der kulturell prägendsten Apps des Jahrzehnts wurde. Gegründet im Jahr 2010, zog Instagram zunächst vor allem Kunsthandwerker an, bevor die Plattform den Durchbruch in den Massenmarkt schaffte und eine heute milliardenschwere Industrie schuf – die Influencer. 18 Monate nach dem Start trafen die Gründer die Entscheidung, das Unternehmen an Facebook zu verkaufen. Für die meisten Unternehmen wäre das das Ende der Geschichte, aber für Instagram war es erst der Anfang. Sarah Frier erzählt die fesselnde Geschichte, wie Instagram nicht nur eine neue Branche geschaffen, sondern auch unser Leben verändert hat – und sie tut dies virtuos auf Basis eines in diesem Maße noch nie gewährten Zugangs zu den verschiedenen Protagonisten.
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Autoren: Frier, Sarah
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