Fünf Jahre nach dem GameStop-Drama sieht Robinhood-Chef Vlad Tenev die Lösung. Sein Ziel: Aktien sollen künftig als Token auf der Blockchain gehandelt werden – rund um die Uhr, an jedem Wochentag und in Echtzeit.
Im Jahr 2021 musste Robinhood den Handel mit gehypten „Meme-Aktien“ wie GameStop massiv einschränken. Das Problem war damals nicht die Volatilität an sich, sondern das veraltete Abwicklungssystem im Hintergrund. Broker müssen bei Käufen hohe Sicherheiten hinterlegen, solange die Transaktion nicht final abgewickelt ist. In Phasen extremer Marktaktivität führt das zu Liquiditätsengpässen.
Tenev bezeichnet die traditionelle Infrastruktur als „strukturell zerbrechlich“. Zwar wurde der Abwicklungszyklus in den USA inzwischen von zwei Tagen auf 24 Stunden verkürzt, doch das reicht dem CEO nicht aus. Während die Märkte global immer schneller agieren, bleiben Wochenenden und Feiertage ein Risikofaktor für Clearinghäuser und Broker.
Entsprechend setzt Tenev auf Tokenisierung. Durch die digitale Abbildung von Aktien auf einer Blockchain können Transaktionen nahezu in Echtzeit abgewickelt werden. Das senkt das systemische Risiko und macht die Hinterlegung massiver Sicherheiten überflüssig.
Expansion über Europa
In Europa ist der Startschuss bereits gefallen. Seit Juni 2025 bietet Robinhood europäischen Kunden Zugang zu mehr als 2.000 US-Aktien in tokenisierter Form. Gehandelt wird dort bereits 24 Stunden an fünf Tagen der Woche. Die technische Basis bildet derzeit das Netzwerk Arbitrum One.
In den kommenden Monaten will Robinhood das Angebot massiv ausbauen. Geplant ist der Sprung auf den 24/7-Handel. Auch der Bereich Decentralized Finance (DeFi) rückt in den Fokus: Nutzer sollen ihre tokenisierten Aktien künftig selbst verwahren oder für Finanzanwendungen wie die Kreditvergabe nutzen können. Um die Skalierung zu sichern, plant das Unternehmen zudem eine eigene Schicht auf der Blockchain, die „Robinhood Chain“.
Warten auf die US-Regulierung
Ob und wann das Modell den Sprung in den Heimatmarkt USA schafft, hängt an der Politik. Tenev setzt hierbei auf den „Clarity Act“. Das Gesetz soll klare Standards für tokenisierte Wertpapiere schaffen und verhindern, dass Aufsichtsbehörden wie die SEC ihre Linie willkürlich ändern.
DER AKTIONÄR bleibt zuversichtlich und setzt auch im Echtgeld-Depot weiterhin auf Robinhood. Mit einem Kursplus von 321 Prozent seit der Aufnahme im Sommer 2024 ist die Aktie momentan der Top-Performer im AKTIONÄR-Depot.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien von Robinhood befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 14:45