Aus dem Bitcoin-Miner Riot Platforms wird ein KI-Vermieter: Die Firma hat am Montagabend zusammen mit den Quartalszahlen einen 20-Jahres-Vertrag über 191 Megawatt Rechenzentrumsleistung verkündet. Der Mieter, von Bloomberg als Anthropic identifiziert, zahlt dafür rund 9,1 Milliarden Dollar. Die Aktie von Riot sprang in der Spitze um 25 Prozent nach oben.
Riot setzte im zweiten Quartal 174,2 Millionen Dollar um – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erlöse lagen auch deutlich über den vom Markt erwarteten 152 bis 155 Millionen Dollar.
Das Bitcoin-Mining steuerte 113,7 Millionen Dollar bei, das noch junge Rechenzentrumsgeschäft 23,2 Millionen.
Unter dem Strich stand allerdings ein Nettoverlust von 237,2 Millionen Dollar oder 0,68 Dollar je Aktie – nach einem Gewinn von 219,5 Millionen Dollar im Vorjahresquartal Der Markt hat das an diesem Tag großzügig ignoriert.
Neuer Deal mit Anthropic
Anthropic soll für 20 Jahre Rechenzentrumskapazität von Riot mieten. Der Vertrag umfasst 191 Megawatt am Standort Rockdale in Texas. Das ist eine sehr große Menge an Rechenleistung und Strom. Riot soll damit bis Juni 2048 rund 9,1 Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Zwei Verlängerungen könnten den Wert auf bis zu 16,1 Milliarden Dollar erhöhen.
Für Riot ist der Vertrag der größere Gewinn. Das Unternehmen erhält über Jahrzehnte planbare Einnahmen und wird unabhängiger vom schwankenden Bitcoin-Geschäft. Außerdem zeigt der Vertrag, dass Riot sich vom Bitcoin-Miner zum Anbieter von KI-Infrastruktur entwickeln kann.
Planbarkeit statt Krypto-Achterbahn. Ein 20-Jahres-Abnahmeprofil ersetzt zyklische Mining-Erlöse durch vertraglich gesicherte Cashflows. Und der Kunde „adelt“ das Modell. Dass ausgerechnet Anthropic unterschreibt, ist ein Vertrauensvotum für Riot als ernstzunehmenden KI-Infrastrukturanbieter.
Analysten goutieren den Deal
Die Analysten der Citi nennen die Zahlen und den Deal zusammen "transformational". Riot sei auf dem Weg zu einer der überzeugendsten kontrahierten Rechenzentrums-Plattformen der Branche. H.C. Wainwright hob sein Ziel deutlich an und rechnet in einer Sum-of-the-Parts-Bewertung 18 Dollar je Aktie für das operative Geschäft, 2 Dollar für die 11.380 gehaltenen Bitcoin und risikogewichtete 20 Dollar für die Projektpipeline.
Riot hat die Investmentstory gewechselt: vom Bitcoin-Miner mit Kursfantasie zum Rechenzentrums-Vermieter mit Vertragsbuch. Fast zehn Milliarden Dollar kontrahierte Erlöse sind ein Fundament, das kein Mining-Zyklus liefern kann – und die Wall Street preist das bereits ein. Die Aktie lag in der Spitze bei 23,98 Dollar, um im Anschluss wieder auf 19,62 Dollar zurück zu fallen. Grund: Bezahlt wird erst ab Dezember 2027. Bis dahin bleiben ein Nettoverlust, hoher Kapitalbedarf und ein Bauprogramm, das termingerecht laufen muss.
Heute, 20:33
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