Die Fantasie der Anleger an der Wall Street bekommt einen Dämpfer. Morgan Stanley und Goldman Sachs mussten am Freitag deutliche Kursabschläge hinnehmen, nachdem Berichte über eine Verschiebung des heiß ersehnten Börsengangs von OpenAI die Runde machten.
Die Papiere beider Investmenthäuser verloren zeitweise jeweils mehr als vier Prozent an Wert. Damit schnitten sie deutlich schlechter ab als der breitere KBW Bank Index, der sich nach einem Minus von 1,7 Prozent wieder leicht stabilisierte. Auch der technologielastige Nasdaq 100 Index gab im New Yorker Handel um rund 0,8 Prozent nach.
Verschiebung statt Senkrechtstart
Der Grund für den Kursrutsch: OpenAI, das derzeit eng mit Goldman Sachs und Morgan Stanley an einem potenziellen Börsengang arbeitet, zieht offenbar in Erwägung, den Gang aufs Parkett erst im kommenden Jahr statt wie erhofft in diesem Herbst zu vollziehen. Die volatilen Märkte für Technologiewerte dürften hierbei eine entscheidende Rolle spielen.
Während die beiden Banken in den vergangenen Monaten massiv von der Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz und den damit verbundenen Kapitalmarktaktivitäten profitiert haben, herrscht nun Ernüchterung. „Goldman Sachs und Morgan Stanley hinken ihren Konkurrenten heute hinterher“, ordnet Analyst Herman Chan von Bloomberg Intelligence die Lage ein. Beide Institute hätten bisher als Hauptprofiteure der KI-getriebenen IPO-Welle gegolten.
Wettlauf der KI-Schwergewichte
Trotz der Verschiebung bei OpenAI bleibt das Geschäft mit KI-Giganten umkämpft. Auch das Konkurrenzunternehmen Anthropic hat sich für seinen geplanten Börsengang die Dienste von Morgan Stanley und Goldman Sachs gesichert, wobei hier zusätzlich JPMorgan Chase & Co. involviert sein soll. OpenAI hat zudem Gespräche mit weiteren Banken wie Citigroup geführt, um die Platzierung abzusichern.
Entsprechend reagieren Analysten zwiegespalten. Brian Finneran von Truist verweist darauf, dass die Verzögerung bei OpenAI Fragen darüber aufwirft, ob der allgemeine Optimismus am Kapitalmarkt nun abkühlt. Andererseits betont er, dass ein gestaffeltes IPO-Volumen langfristig sinnvoll sein könnte. „Das entzerrt den Zeitplan und könnte sich positiv auf die Zahlen für 2027 auswirken“, so Finneran.
Die Korrektur bei Morgan Stanley und Goldman Sachs ist eine direkte Reaktion auf die schwindende Hoffnung auf kurzfristige Provisionseinnahmen durch einen Mega-IPO im laufenden Jahr. Der langfristige Trend für Investmentbanken, die den Tech-Sektor begleiten, bleibt aber intakt. Anleger bleiben bei der Goldman-Sachs-Aktie daher weiter an Bord.
Heute, 20:28