Bekommt Sam Altman jetzt kalte Füße? Eigentlich wollte der OpenAI-Chef das IPO noch 2026 über die Bühne bringen – und zwar mit einem fetten Preisschild von einer Billion Dollar. Nun erwägt der Konzern offenbar, den geplanten Börsengang auf nächstes Jahr zu verschieben. Dafür gibt es gute Gründe.
• OpenAI denkt über eine Verschiebung des Börsengangs nach.
• Nach dem holprigen Börsendebüt von SpaceX wächst die Sorge vor einem Fehlstart.
• Trotz Milliardenumsätzen hat der ChatGPT-Entwickler einige operative Baustellen.
Ursprünglich sah OpenAI den Sprung aufs Börsenparkett für das dritte oder vierte Quartal des laufenden Jahres vor. Am 8. Juni reichte der ChatGPT-Entwickler die dafür nötigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein (DER AKTIONÄR berichtete). Doch wie die New York Times unter Berufung auf Insider berichtet, könnte sich der Zeitplan nun verzögern.
Ganz überraschend kommt das nicht. Bei der Einreichung der Unterlagen hatte OpenAI erklärt, dass daraus kein kurzfristiger Börsengang abzuleiten sei: „Wir haben den Zeitpunkt noch nicht festgelegt. Es kann noch eine Weile dauern, weil wir einige Dinge als Privatunternehmen leichter umsetzen können“. Die Option für ein schnelles IPO wolle man sich jedoch offenhalten.
Reality-Check SpaceX: Die Euphorie lässt nach
Die Berater scheinen inzwischen allerdings stärker auf die Bremse zu treten. Auslöser dürfte vor allem die jüngste Abkühlung der Euphorie rund um KI-Aktien sein. Das schwächere Marktumfeld erhöht das Risiko eines Fehlstarts für OpenAI. Der Börsengang solle erst dann erfolgen, wenn die angestrebte Bewertung von mindestens einer Billion Dollar realistisch erscheint. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde der ChatGPT-Entwickler mit 852 Milliarden Dollar bewertet.
Zudem gab es im Juni mit dem Börsengang von SpaceX den ersten Reality-Check für die Mega-IPOs der Tech-Unternehmen: Nach dem Rekordhoch bei 225,64 Dollar am dritten Handelstag schmierte die Aktie von Elon Musks Weltraumfirma brutal ab. Der gestrige Schlusskurs lag bei 153,00 Dollar.
Die OpenAI-Story braucht Substanz
OpenAI hat ohnehin erst noch einige Hausaufgaben beim Wachstum und der Finanzstruktur zu erledigen, um die sportliche Bewertung zu rechtfertigen. Denn das Nutzerwachstum von ChatGPT verliert an Schwung. Seit Monaten pendelt die Zahl der Anwender um die Marke von 900 Millionen. Investoren hatten fest damit gerechnet, dass die Milliardenmarke zeitnah fällt.
Aus finanzieller Sicht ist OpenAI trotz eines rasanten Umsatzwachstums noch weit von der Gewinnzone entfernt. 2025 setzte das Unternehmen 13 Milliarden Dollar um, für 2026 wird eine Verdreifachung auf knapp 40 Milliarden Dollar angepeilt. Nach Unternehmensangaben flossen zuletzt rund zwei Milliarden Dollar Umsatz pro Monat in die Kassen. Immense Kosten für Rechenzentren und das Recruiting der besten KI-Talente fressen allerdings jeden Cent auf. Interne Finanzplanungen gehen davon aus, dass OpenAI frühestens 2030 profitabel wird.
Finanzchefin Sarah Friar predigt deshalb schon seit Längerem finanzielle Disziplin statt vorschneller Schritte, um der Börse eine wasserdichte Investmentstory zu liefern. Defizitäre Nebenprojekte wie die Video-KI Sora werden gestrichen, um die Kosten zu drücken. Gleichzeitig testet das Unternehmen derzeit Werbeausspielungen in der kostenlosen ChatGPT-Version, um neue Erlösquellen zu erschließen. OpenAI rechnet in diesem Jahr bereits mit Werbeerlösen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar. Bis 2030 soll daraus ein jährlicher Werbeumsatz von 100 Milliarden Dollar werden.
Die Billionen-Party von OpenAI wird wohl erst einmal vertagt. Statt den Börsengang um jeden Preis durchzupeitschen, wartet Sam Altmans KI-Firma ab, bis Wachstum, Bewertung und Marktumfeld zusammenspielen. DER AKTIONÄR bleibt für Sie am Ball. Denn aufgeschoben ist hier garantiert nicht aufgehoben.
Anleger müssen aber nicht die Füße stillhalten. Wo im KI-Sektor der nächste Verdreifacher lauert, erfahren Sie im neuen Aktien-Report "Der Nvidia-Nachfolger".
Heute, 10:14