07.08.2018 Markus Bußler

Oh Schreck, keiner kauft mehr Gold

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Gold
Trendthema

Die Goldnachfrage ist im ersten Halbjahr auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen. Das ist eine erschreckende Nachricht für Goldanleger, finden Sie nicht? Man muss also neun Jahre zurückgehen, um ein ähnlich schwaches erstes Halbjahr zu finden. Die Medien greifen eine solche Meldung – natürlich – gerne auf. Und schnell wird die Panik verbreitet. Wenn jetzt niemand Gold kauft, bei all der Unsicherheit rund um Trump, einem drohenden Handelskrieg, den neuerlichen Spannungen mit dem Iran – ja, wann denn dann?

Das haben sich die Anleger übrigens 2009 auch gedacht. Wenn jetzt niemand Gold kauft, nach dem Lehman-Crash, jetzt, nachdem das Finanzsystem an Rande des Abgrunds steht – ja, wann denn dann? Die Fragen sind die gleichen, die Antworten auch. Vor allem große Anleger agieren prozyklisch. Steigt Gold, lockt das neue institutionell Käufer an, fällt Gold, bleiben institutionelle Käufer weg. Nach der Lehman-Pleite ist Gold zunächst gefallen – viele Spekulanten haben sich eine blutige Nase geholt. Und das zeigte Wirkung.

ETF-Bestände sinken

Das sieht man übrigens auch gut an, wenn man die Bestände des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares (GLD) und den Goldpreis miteinander vergleicht. Die Bestände hinken der Entwicklung des Goldpreises immer etwas hinterher. Sprich: Steigt Gold, fließt zeitversetzt Geld in den ETF und er kauft Gold, fällt Gold, sehen wir das umgekehrte Spiel. Zum Auftakt des Jahres wies der GLD einen Bestand von 836 Tonnen aus, aktuell sind es noch 788 Tonnen. Ein Abfluss also von 48 Tonnen Gold. Das klingt nach einer Menge. Bedenkt man allerdings, dass an den großen Goldmärkten, der Comex und dem London Bullion Market binnen eines Tages gerne einmal die gesamte Jahresproduktion der Minen weltweit umgeschlagen wird - und das sind mehr als 2.500 Tonnen – dann nimmt sich diese Zahl doch bescheiden aus.

Aber zurück zum Thema: Aktuell scheint niemand Gold zu kaufen. 2009 hat auch niemand Gold gekauft. Stellt sich die Frage: Was genau ist 2009 anschließend passiert? Das wiederum berichtet kaum jemand. 2009 begann die Rallye in deren Verlauf sich der Goldpreis binnen zwei Jahren auf das bisherige Allzeithoch bei 1.921 Dollar praktisch verdoppelt hat. Wiederholt sich diese Geschichte?

Ich bin nicht so vermessen, eine solche Behauptung einfach ins Blaue hinein aufzustellen. Ich will Ihnen aber aufzeigen, dass die meisten Schlagzeilen ihren Schrecken verlieren, wenn man etwas genauer hinsieht.

Dieser Artikel erschien heute bereits im Goldtelegramm. Für das Goldtelegramm können Sie sich kostenlos unter http://www.goldfolio.de/ anmelden.