Die Lage ist wirklich enorm kompliziert: Bereits seit etwa einem halben Jahr ist die für die Energiewirtschaft extrem wichtige Straße von Hormus weitgehend blockiert. Zuvor gelangten durch diese Meerenge täglich knapp 20 Prozent des weltweit benötigten Rohöls. Und seit kurzer Zeit ist nun auch noch die Alternativroute in Gefahr.
Denn die wichtige East-West-Pipeline in Saudi-Arabien, durch die Öl zum Roten Meer gepumpt werden kann, wurde angegriffen. Zudem sind die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen nun in der Lage, die Schifffahrt am Nadelöhr Bab al-Mandab empfindlich zu beeinträchtigen. Durch diese Alternativroute exportierte Saudi-Arabien täglich bis zu fünf Millionen Barrel und sorgte somit auch dafür, dass sich die Ölpreisanstiege seit Beginn der Blockade noch halbwegs in Grenzen hielten.
Hinzu kommt, dass neben Saudi-Arabien mit Russland ein weiterer großer Ölexporteur große Probleme hat. Denn im Krieg mit der Ukraine wurde in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder wichtige Energieinfrastruktur getroffen. Daher exportiert das Land aktuell weitaus weniger Kraftstoffe als zuvor. US-Präsident Donald Trump sieht hierin sogar eine Möglichkeit, bei der Frage, wer schuld an den weltweit steigenden Energiepreisen ist, von sich abzulenken: "Der weltweite Anstieg der Dieselpreise ist größtenteils auf den Russland-Ukraine-Krieg zurückzuführen, nicht auf den Iran", schrieb er auf seinem Netzwerk Truth Social.
Darüber hinaus fallen die weltweiten Ölreserven immer weiter. In den USA lagen sie zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit 1983 (mehr dazu lesen Sie hier).
Angesichts dieser gefährlichen Gemengelage halten nun immer mehr Experten auch noch höhere Ölpreise für möglich. So betonte etwa Bank-of-America-Analyst Francisco Blanch: „Ein breiterer Konflikt, der erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur verursacht, könnte die Preise auf bis zu 150 US-Dollar je Barrel in die Höhe treiben.“
UBS-Analyst Alessandro Bee erklärte, er sieht den Ölpreis normalerweise in einer Spanne "zwischen 80 und 100 Dollar je Barrel". Er räumt aber ein: "Sollte die Straße von Hormus jedoch über mehrere Quartale hinweg geschlossen bleiben, würden die Ölreserven irgendwann zur Neige gehen und an den Märkten könnte Panik ausbrechen. In diesem Fall halten wir auch Preise zwischen 150 und 200 Dollar für möglich.“
Die Öl- und Gaspreise dürften weiterhin auf einem hohen Niveau verharren, womöglich sogar noch weiter steigen, solange sich keine Lösung für den Konflikt im Nahen Osten abzeichnet. Davon dürften breit aufgestellte Energiekonzerne wie etwa TotalEnergies profitieren. Die mit einem KGV von 8 immer noch günstig bewertete Aktie bleibt ein Kauf. Zudem ist das Chartbild aussichtsreich und es lockt eine Dividendenrendite von 4,5 Prozent. Der Stopp sollte bei 59,00 Euro belassen werden.
Heute, 07:24
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