Der Ölpreis legte gestern weiter zu. Im Handelsverlauf stieg Brent über 110 Dollar je Barrel, die Aktie von Shell näherte sich nach den jüngsten Gewinnmitnahmen auch wieder ihrem bisherigen Rekordhoch. Denn immer mehr Marktteilnehmern zweifeln daran, dass der Öltransport durch die Straße von Hormus wieder reibungslos ablaufen kann.
Brent notiert nun auf dem höchsten Preis seit fünf Monaten. Auslöser für den jüngsten Anstieg sind Berichte über heftige Attacken auf Tanker in der Straße von Hormus. Sie hätten den Transport von Öl stark gestört, berichtet Kpler. Noch zu Monatsbeginn hatte das Unternehmen erklärt, die Ausfuhren hätten wieder das Niveau vor dem Krieg erreicht. Inzwischen meldet Kpler jedoch einen erneuten deutlichen Rückgang der Exporte, ausgelöst durch iranische Angriffe auf Schiffe in der Meerenge.
Reuters zufolge, das sich auf Kpler-Daten beruft, wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens 18 Tanker angegriffen. Bereits zu Wochenbeginn hatte Kpler den durchschnittlichen täglichen Öltransport aus dem Persischen Golf mit 8,5 Millionen Barrel angegeben. Zwei Wochen zuvor hatte dieser Wert laut einem anderen Reuters-Bericht noch „mehr als 20 Millionen Barrel täglich“ betragen.
„Die Ölpreise bleiben angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten trotz relativ kräftiger Ölströme aus dem Persischen Golf gut gestützt“, schrieben die Rohstoffanalysten der ING heute in einer Mitteilung. „Das deutet darauf hin, dass der Markt angesichts der Volatilität der Lage eine erhebliche Risikoprämie einpreist“, erklärten Warren Patterson und Ewa Manthey ebenfalls. Ihrer Einschätzung nach dürfte die kriegsbedingte Risikoprämie nach und nach zurückgehen, sofern die Öltransporte stabil auf hohem Niveau bleiben. „Davon ist bislang eindeutig nichts zu erkennen“, kommentierten sie.
Auch neue Angriffe der jemenitischen Huthi auf Saudi-Arabien stützen die Ölpreise. Die Rebellen richteten sich dabei gegen Energieanlagen, Flughäfen und militärische Ziele. Die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen den Huthi und Saudi-Arabien verstärken die Schwankungen am Ölmarkt zusätzlich – in einer Phase, in der die Entwicklungen im Nahen Osten ohnehin für erhöhte Unsicherheit sorgen.
Bei Shell läuft es derzeit weiterhin absolut rund. Egal ob im Fördergeschäft, bei den Raffinerien oder bei den Tankstellen, die Kasse klingelt kräftig. Zudem verfügt Shell über eine solide Bilanz und ist mit einem KGV von lediglich 8 günstig bewertet. Auch die Dividendenrendite kann sich mit mehr als drei Prozent sehen lassen. Kurzum: Wer bei der Aktie bereits investiert ist, sollte dabeibleiben. Der Stoppkurs kann noch bei 31,00 Euro belassen werden.
Heute, 07:17
Bei Google bevorzugen