Die Preise für Rohöl sinken im heutigen Handel erneut. Doch bei verschiedenen Destillaten, wie allen voran Diesel, bahnt sich in immer mehr Regionen ein Engpass an. Nun fordert Donald Trump Deutschland und andere Europäer dazu auf, Diesel aus strategischen Reserven freizugeben. Die EU-Kommission will darüber heute noch beraten.
US-Finanzminister Scott Bessent verlangt, Europa solle Zusagen beschleunigen und zusätzliche Lieferungen bereitstellen. Hintergrund sind gestiegene Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič sprach mit US-Handelsbeauftragtem Jamieson Greer über die Versorgung. Die EU wolle koordiniert vorgehen, warne aber vor US-Exportbeschränkungen, die Europas Wirtschaft schaden würden. Reuters zufolge drohte Washington Frankreich und Deutschland damit, falls sie keine Reserven freigäben. Šefčovič sagte, Europa habe seine Zusagen zum Kauf amerikanischer Energie aus dem Turnberry-Handelsabkommen übertroffen. Energieminister Chris Wright erwartet dennoch eine Diesel-Freigabe.
Die hohen Preise sind für Trump politisch heikel, besonders in Agrarstaaten. US-Diesel kostet durchschnittlich 6,38 Dollar je Gallone (rund 1,50 Euro je Liter), vor einem Jahr waren es 3,75 Dollar (0,84 Euro). Die EU zögert, weil ihre begrenzten Notvorräte bei einer weiteren Eskalation wichtig sein könnten.
Steigerungen von 20 bis 25 Prozent möglich
Deutschland verweist auf koordinierte Entscheidungen; neue Anforderungen der Internationalen Energieagentur gebe es derzeit nicht. Nach dem Einfuhrverbot für russische Produkte und Störungen im Nahen Osten ist Europa stärker auf US-Diesel angewiesen. Deutschland bezieht etwa fünf Prozent seines Bedarfs aus den USA. Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer hält einen Preisanstieg um 20 bis 25 Prozent für möglich.
Die USA zählen zu den wichtigsten Diesel-Exporteuren und ihre Raffinerien laufen nahe der Kapazitätsgrenze. Trump erwägt einen Exportstopp. Wright und Ölkonzerne warnen: Er könnte Diesel regional verteuern, die Produktion drosseln und auch Benzinpreise treiben.
Es dürfte spannend werden, welche Maßnahmen die Regierungen zur Lösung des Problems ergreifen werden. Der Dieselpreis dürfte jedenfalls weiterhin relativ hoch bleiben. Davon profitieren unter anderem wieder einmal Shell und TotalEnergies, mit ihren riesigen Raffinerien zwei der größten Dieselhersteller in Europa. Die beiden immer noch günstig bewerteten Dividendenperlen bleiben attraktiv. Die Stoppkurse sollten bei 61,00 Euro (TotalEnergies) beziehungsweise 31,00 Euro (Shell) belassen werden.
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