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Nemetschek nach 30%‑Rücksetzer: Jetzt auf das Comeback setzen

Nemetschek nach 30%‑Rücksetzer: Jetzt auf das Comeback setzen
Foto: DRN-Studio/shutterstock
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Michael Schröder Heute, 09:57 Michael Schröder

In der Softwarebranche ging in den vergangenen Wochen die Angst um, dass KI-gestützte Agenten klassische Software mehr oder weniger ersetzen könnten. Operative Entwicklungen rückten in den Hintergrund, die Aktienkurse purzelten. Das „KI-frisst-Software“-Narrativ setzte auch der Nemetschek-Aktie sichtbar zu. Der Vorstand hält dagegen – eine Gegenbewegung könnte starten.

AKTIONÄR-Leser wissen: Nemetschek verfügt in der Bauindustrie, die traditionell konservativ und risikoavers ist und sich keine Fehlentscheidungen leisten kann, über jahrzehntelang aufgebaute Kundenbeziehungen, proprietäre Projektdaten und hohe Wechselkosten. Die Münchner decken mit ihren Produkten den gesamten Prozess von der Planung über die Konstruktion bis hin zum Betrieb ab. Damit gilt das Unternehmen als einer der zentralen Treiber der Digitalisierung in der Bauwirtschaft.

Nemetschek hat im vergangenen Jahr erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten. Nach vorläufigen Zahlen stiegen die Erlöse 2025 um knapp ein Fünftel auf rund 1,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 23,3 Prozent auf 371,1 Millionen Euro zu. Die entsprechende Marge verbesserte sich um einen Prozentpunkt auf 31,2 Prozent.

Konzernchef Yves Padrines sprach angesichts der Zahlen von neuen Rekordwerten bei Umsatz und operativem Ergebnis. Die fortschreitende Digitalisierung sowie der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Bauwirtschaft eröffneten zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund blicke Nemetschek sehr zuversichtlich auf 2026 und darüber hinaus und erwarte weiteres starkes, nachhaltiges und profitables Wachstum.

Eine positive Kursreaktion blieb zunächst aus – auch, weil das „KI-frisst-Software“-Narrativ der Nemetschek-Aktie zusetzte. „Die pauschale Annahme, dass KI den gesamten Softwaresektor verdrängen wird, teilen wir nicht – vielmehr sehen wir in ihr einen starken Innovationstreiber für neue Lösungen und Geschäftsmodelle. KI und Software gehen Hand in Hand“, sagt Nemetschek-Finanzvorstand Louise Öfverström gegenüber dem AKTIONÄR.

Vor allem vertikale Softwarefirmen mit tiefer Domänenexpertise, die eng in die Workflows ihrer Kunden integriert sind und reale, kritische Prozesse abbilden, profitieren von KI. „KI-Agenten sind kein Ersatz für industriespezifische, vertikale Softwarelösungen. Ihren Mehrwert entfalten sie nicht isoliert, sondern erst im Zusammenspiel mit diesen Lösungen. Gerade in sicherheits-, qualitäts- und haftungsrelevanten Workflows der Bauindustrie sind regelbasierte Prozesse, tiefes regulatorisches Know-how sowie nachvollziehbare und verlässliche Ergebnisse unerlässlich“, so die Finanzchefin.

Am Ende bietet KI für Nemetschek eher eine große Chance. Das Unternehmen wächst auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Infrastrukturprogramme dürften mittel- bis langfristig zusätzlichen Rückenwind liefern, und der weltweit niedrige Digitalisierungsgrad der Baubranche bietet erhebliches Effizienzpotenzial. Beruhigt sich die Stimmung rund um das KI-Thema, könnte das aktuelle Kursniveau daher eher eine Einstiegschance darstellen.

Zu diesem Schluss kommen derzeit auch die Analysten: Die US-Bank JPMorgan („Overweight“) hat das Kursziel nach den Eckdaten mit 110 Euro bestätigt. UBS bleibt bei „Neutral“, sieht die Aktie jedoch erst bei 137,50 Euro fair bewertet. Berenberg empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf mit einem Ziel von 125 Euro, Jefferies nennt 110 Euro. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel dagegen heute früh um zehn Euro auf 100 Euro gesenkt.

Nemetschek (WKN: 645290)

Ausführliche Geschäftszahlen und die Prognose für 2026 will das Unternehmen am 19. März vorlegen. Erweisen sich die KI-Sorgen als überzogen und bleibt der Konzern auf seinem profitablen Wachstumskurs, dürfte auch die Bewertung wieder stärker in den Fokus rücken. Nach dem 30-prozentigen Kursrutsch liegt das erwartete KGV für 2026 bei rund 28 und würde im kommenden Jahr auf etwa 23 fallen. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV der Aktie über die vergangenen zehn Jahre beträgt 56. Auch wenn dieses Bewertungsniveau vorerst kaum wieder erreicht wird, erscheint eine Gegenbewegung nach dem Rücksetzer überfällig. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot daher auf steigende Kurse bei Nemetschek.

Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Nemetschek befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.

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