In der Softwarebranche geht die Angst um, dass Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur ein nützliches Zusatzfeature ist, sondern ganze Geschäftsmodelle infrage stellen könnte. Die Diskussion drückte spürbar auf Stimmung und Kurse – auch bei ATOSS Software. Mittlerweile beruhigt sich die Lage, und die Aktie arbeitet an einer Gegenbewegung. Nicht ohne Grund.
Keine Frage: KI ist einer der größten technologischen Umbrüche, die die Menschheit je erlebt hat. In vielen Fällen wird sie sehr nutzenstiftend eingesetzt. Es gibt aber auch Bereiche, in denen KI einzelne Softwareprogramme ersetzen dürfte.
Die Börse ist hier in den vergangenen Wochen jedoch noch einen Schritt weiter gegangen: Mit Blick auf mögliche Marktanteilsverluste und eine drohende Margenerosion haben Investoren begonnen, Bewertungen neu zu justieren und Risiken höher zu gewichten. Das führte bei vielen Softwareaktien zu deutlichem Verkaufsdruck – berechtigt oder nicht.
Auch die Aktie von ATOSS Software stand unter Druck. Anfang des Jahres sah es noch so aus, als könnte der Titel wieder den Vorwärtsgang einlegen. Doch nach dem Jahreshoch bei 121,80 Euro ging es mit der hochkochenden KI-Angst auf Talfahrt. Im Tief rutschte die Aktie auf 79,40 Euro ab.
Sind die Sorgen berechtigt? „Selbstverständlich ist KI transformativ. In vielen Use Cases wird sie sehr nutzenstiftend eingesetzt, und ja, es gibt auch Bereiche, in denen KI einzelne Softwareprogramme ersetzt beziehungsweise bald ersetzen wird“, so ATOSS-Finanzvorstand Christof Leiber gegenüber dem AKTIONÄR. „Im Bereich unternehmenskritischer End-to-End-Unternehmenssoftware sehen wir jedoch keinen Trend zur Ersetzung. Im Gegenteil: KI verbessert die bestehende Software. Wir entwickeln unsere Lösungen gezielt mit integrierten KI-Services weiter, damit Unternehmen die in ihren Systemen vorhandenen Daten- und Prozessinformationen in messbare Effizienzgewinne, höhere Produktivität und eine deutlich verbesserte Nutzung überführen können.“
Leiber spricht daher lieber davon, dass Kunden ATOSS nicht „trotz“, sondern „wegen“ KI brauchen, und nennt im Hintergrundgespräch entsprechende Beispiele.
Fakt ist: ATOSS will auch künftig auf dem profitablen Wachstumspfad bleiben. Der Vorstand peilt für 2026 einen Umsatz von rund 215 Millionen Euro an. Die operative Marge soll mindestens 32 Prozent betragen. Für 2027 werden rund 245 Millionen Euro Umsatz und eine Marge von mindestens 33 Prozent erwartet. Der Gewinn je Aktie könnte damit von 3,04 Euro im Vorjahr auf über 3,20 Euro im laufenden Jahr und bis 2027 auf 3,75 Euro steigen. Das viel diskutierte KGV würde von 27 auf 23 sinken. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV der vergangenen zehn Jahre lag bei 45.
„Mittel- und langfristig werden wir durch den Ausbau von KI-Services in Ergänzung zu unseren Lösungen deutlich attraktiver für Kunden. Und das gibt uns – ähnlich wie die erfolgreiche Umsetzung unserer Cloud-Strategie seit 2016 – exzellente Chancen für weiteres Wachstum bei ATOSS.“
Analysten bleiben überwiegend positiv: Sieben Kaufempfehlungen steht eine neutrale Einschätzung von Oddo BHF gegenüber, die die Aktie jedoch bei 119 Euro – und damit deutlich über dem aktuellen Niveau – fair bewertet sieht. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 137 Euro, die Top-Ziele reichen bis über 150 Euro. Verkaufsempfehlungen? Fehlanzeige.
Auch wenn die historischen Bewertungsniveaus vorerst nicht wieder erreicht werden, dürfte sich die noch junge Gegenbewegung mit Blick auf die Aussagen des Vorstands weiter fortsetzen. Risikobewusste Anleger können daher weiterhin antizyklisch einen Fuß in die Tür setzen. Frische Wasserstandsmeldungen zur operativen Entwicklung dürfte es mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025 am 10. März geben. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot weiter auf steigende Kurse.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von ATOSS Software befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 15:04