Die Munich Re hat ihre Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Der Rückversicherer hat in diesem Zeitraum deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor und das Jahresziel bestätigt. Dennoch gibt es Schwachpunkte im Zahlenwerk. Vor allem ein Aspekt dürfte bei den Anlegern auf wenig Begeisterung stoßen.
Auf den ersten Blick kann sich das Ergebnis der Munich Re sehen lassen: Der Rückversicherer steigerte den Überschuss deutlich und sieht sich weiter auf Kurs, das Jahresziel zu erreichen. Vorbörslich bleibt die Aktie dennoch unter der Marke von 500 Euro.
Der Gewinn fiel stark aus. Der Überschuss vor Minderheiten lag im ersten Quartal bei 1,71 Milliarden Euro, nach 1,09 Milliarden Euro im Vorjahr. Damit verdiente Munich Re rund 57 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt mit 1,73 Milliarden Euro gerechnet.
Auch die Schaden-Kosten-Quote entwickelte sich deutlich besser als erwartet. In der Rückversicherung lag die Combined Ratio im ersten Quartal bei 66,8 Prozent nach 83,9 Prozent im Vorjahr. Erwartet worden waren 74,6 Prozent. Munich Re profitierte dabei von erheblich geringeren Katastrophenschäden. Im Vorjahr hatten unter anderem die Waldbrände in Los Angeles belastet.
Finanzvorstand Andrew Buchanan zeigte sich zuversichtlich. Munich Re sei voll auf Kurs, das diesjährige Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro zu erreichen. Der Konzern bestätigte zudem alle Finanzziele für 2026. Das ist ein klar positiver Punkt.
Gemischter fällt der Blick auf die Umsatzentwicklung aus. Der Versicherungsumsatz sank von 15,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 15,0 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 16,0 Milliarden Euro gerechnet. Auch das operative Ergebnis blieb mit 2,23 Milliarden Euro hinter der Prognose von 2,35 Milliarden Euro zurück.
Der größte Dämpfer kommt jedoch von den Vertragserneuerungen im Schaden- und Unfallgeschäft zum 1. April. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken gingen die Preise um 3,1 Prozent zurück. Zudem fuhr Munich Re das Geschäftsvolumen in der Erneuerungsrunde um 18,5 Prozent zurück. Das ist ernüchternd – zumal Konkurrent Hannover Rück ihr Geschäft zuletzt ausgeweitet hatte.
Buchanan sprach dennoch von einem weiterhin guten Preisniveau. Dieses dürfte nach Einschätzung des Konzerns auch bei der nächsten Erneuerungsrunde im Juli weitgehend gehalten werden. Anleger dürften dennoch genau hinsehen: Nach mehreren starken Jahren normalisiert sich das Marktumfeld in der Rückversicherung spürbar.
Auch beim Kapitalanlageergebnis gab es keinen positiven Überraschungseffekt. Es stieg zwar von 1,32 Milliarden Euro auf 1,68 Milliarden Euro, blieb aber unter der Analystenerwartung von 1,95 Milliarden Euro.
Die Zahlen von Munich Re liefern ein gemischtes Bild. Positiv sind der hohe Gewinn im ersten Quartal, die bestätigten Finanzziele für 2026 und die deutlich besser als erwartete Combined Ratio in der Rückversicherung. Die schwächeren Vertragserneuerungen, der rückläufige Versicherungsumsatz und das unter den Erwartungen liegende operative Ergebnis bremsen jedoch die Euphorie.
Alles in allem dürften die Zahlen der Aktie keinen Rückenwind verleihen. Vorbörslich bleibt der Titel unter 500 Euro und gibt sogar weiter ab. Investierte Anleger bleiben dennoch an Bord. Munich Re bleibt profitabel, kapitalstark und aktionärsfreundlich – auch wenn die Zahlen kurzfristig keine neuer Kurstreiber sein dürften.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Munich Re.
Heute, 08:05