Nach den Quartalszahlen geht es für Munich Re heute kräftig abwärts. Die Aktie verliert mehr als fünf Prozent und fällt entfernt sich damit deutlich von der 500-Euro-Marke. Erste Analystenstimmen zeigen: Der Gewinn des Rückversicherungsriesen überzeugt, doch vor allem zwei Punkte sorgen für Enttäuschung.
Das Wichtigste kurz und knapp
• Die Munich-Re-Aktie verliert am Dienstag mehr als fünf Prozent
• Operativ liefert Munich Re solide ab, Preise und Versicherungsumsatz enttäuschen aber
• Erste Analysten bleiben überwiegend gelassen
Die Zahlen von Munich Re kommen am Dienstag an der Börse nicht gut an. Nachdem die Aktie bereits gestern zum Handelsschluss unter 500 Euro notiert hatte und vorbörsliche weiter leicht abgab, hat sich der Verkaufsdruck im regulären Handel deutlich verschärft. Zwischenzeitig verliert der DAX-Konzern über fünf Prozent.
Dabei war das Zahlenwerk auf den ersten Blick keineswegs schwach. Der Rückversicherer steigerte den Überschuss im ersten Quartal dank deutlich geringerer Katastrophenschäden auf gut 1,7 Milliarden Euro. Das lag in etwa im Rahmen der Erwartungen. Zudem bestätigte Munich Re alle Finanzziele für 2026 und sieht sich weiter auf Kurs, das Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro zu erreichen (DER AKTIONÄR berichtete).
Auch die Schaden-Kosten-Quote überzeugte. In der Rückversicherung lag die Combined Ratio bei 66,8 Prozent nach 83,9 Prozent im Vorjahr. Erwartet worden waren 74,6 Prozent. Damit schnitt Munich Re in einer wichtigen Profitabilitätskennzahl deutlich besser ab als gedacht.
Warum also der kräftige Kursrutsch? Der Markt schaut vor allem auf zwei Schwachpunkte. Erstens fiel der Versicherungsumsatz mit 15,0 Milliarden Euro klar niedriger aus als erwartet. Analysten hatten mit 16,0 Milliarden Euro gerechnet.
Zweitens enttäuschten die Vertragserneuerungen im Schaden- und Unfallgeschäft zum 1. April. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken gingen die Preise um 3,1 Prozent zurück. Gleichzeitig reduzierte Munich Re das Geschäftsvolumen in der Erneuerungsrunde um 18,5 Prozent.
Diese Punkte greifen auch die ersten Analystenstimmen auf. Jefferies belässt Munich Re mit einem Kursziel von 600 Euro auf „Hold“. Analyst Philip Kett verweist darauf, dass der Rückversicherer bei den April-Erneuerungen im Einklang mit Wettbewerbern einen Preisrückgang verzeichnet habe. Mit Blick auf die Profitabilität sei der Konsens beim Nettogewinn nahezu exakt getroffen worden. Dass der operative Gewinn die Erwartungen verfehlt habe, wertet Jefferies als nebensächlich.
Etwas vorsichtiger klingt RBC. Die kanadische Bank bestätigt zwar ebenfalls ihre Einstufung „Sector Perform“, sieht das Kursziel aber nur bei 560 Euro. Analyst Ben Cohen hebt hervor, dass das Nettoergebnis ein Prozent unter dem Marktkonsens gelegen habe. Munich Re zeige zwar Preisdisziplin, um die Margen zu sichern. Allerdings erscheine die Markterwartung für den Gesamtertrag im laufenden Geschäftsjahr auf den ersten Blick zu hoch.
Barclays bleibt dagegen mit „Overweight“ und einem Kursziel von 606 Euro grundsätzlich positiv. Analyst Ivan Bokhmat lobt, dass Munich Re bei einigen wichtigen Kennziffern gut abgeschnitten habe – darunter die Schaden-Kosten-Quote. Gleichzeitig dürfte aus seiner Sicht aber die deutlich schwächere Umsatzentwicklung in den Fokus rücken.
Der Kursrutsch fällt heftig aus. Die Börse straft vor allem den schwächeren Versicherungsumsatz und die enttäuschenden Vertragserneuerungen ab. Die Analysten bleiben dennoch überwiegend gelassen. Zu Recht, denn kurzfristig kämpft die Aktie nun zwar mit Gegenwind. Fundamental ist die Lage aber nicht dramatisch. Munich Re verdient weiter stark, hält am Jahresziel fest und bleibt kapitalstark. Investierte Anleger bewahren trotz des heutigen Rückschlags die Ruhe und bleiben an Bord.
Häufige Fragen zu Munich Re
Was macht Munich Re?
Munich Re ist der weltweit führende Rückversicherer. Das Unternehmen versichert Risiken anderer Versicherer und ist zusätzlich über Ergo im Erstversicherungsgeschäft aktiv.
Zahlt Munich Re eine Dividende?
Ja. Munich Re gilt ist einer der verlässlichsten Dividendenzahler im DAX. Seit 1970 hat der Konzern die Dividende nie gekürzt. Sie wurde stets entweder erhöht oder zumindest stabil gehalten.
Für wen eignet sich die Munich-Re-Aktie?
Die Aktie eignet sich vor allem für langfristig orientierte Anleger, die auf ein profitables, kapitalstarkes Unternehmen mit solider Dividendenhistorie setzen wollen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Munich Re.
Heute, 13:18