General Motors verabschiedet sich endgültig von der Elektro-Euphorie und kehrt dorthin zurück, wo das Geld verdient wird: zu schweren Pick-ups und bulligen SUVs. Während die Konkurrenz noch mit der Ladeinfrastruktur ringt, liefert Konzernchefin Mary Barra ein Zahlenwerk ab, das die Wall Street jubeln lässt. Für Aktionäre winken satte Ausschüttungen.
Die Prognose für das laufende Jahr ist eine Kampfansage. GM erwartet ein bereinigtes Betriebsergebnis (EBIT) zwischen 13 und 15 Milliarden Dollar. Das liegt deutlich über den 12,7 Milliarden Dollar des Vorjahres. Auch im abgelaufenen vierten Quartal lieferte Detroit ab: Mit einem Gewinn von 2,51 Dollar je Aktie wurden die Analystenschätzungen (2,28 Dollar) pulverisiert.
Der Grund für den Optimismus: Die Nachfrage nach margenstarken Modellen wie dem GMC Sierra oder dem Cadillac Escalade ist ungebrochen. Flankiert wird dieser Trend von einem politischen Rückenwind aus Washington. Die Trump-Administration lockert die strengen Verbrauchsregeln der Biden-Ära. Das spart GM nicht nur Strafzahlungen, sondern auch den teuren Zukauf von CO2-Zertifikaten bei Tesla.
Zuckerbrot für die Wall Street
Um die Anleger bei der Stange zu halten, greift Barra tief in die Kasse. Ein neues Aktienrückkaufprogramm über sechs Milliarden Dollar wurde autorisiert, die Quartalsdividende steigt um drei Cent auf 18 Cent je Aktie. Es ist eine Fortsetzung der bisherigen Strategie: In den vergangenen Jahren hat GM bereits mehr als 20 Milliarden Dollar in Rückkäufe gesteckt – ein wesentlicher Treiber für das Allzeithoch der Aktie.
Entsprechend positiv reagierte der Markt: Im vorbörslichen New Yorker Handel kletterte das Papier um 4,4 Prozent auf 82,90 Dollar. Damit korrigiert die Aktie die leichte Schwächephase seit Jahresbeginn, nachdem sie 2025 bereits um über 50 Prozent zulegen konnte.
Die Schattenseiten: Elektro-Trümmerhaufen und China-Frust
Doch die Bilanz hat Risse. Der radikale Umbau des schwächelnden Elektrogeschäfts hinterlässt tiefe Spuren. Massive Abschreibungen in Höhe von insgesamt 7,6 Milliarden Dollar drückten das Nettoergebnis im vierten Quartal ins Minus – unterm Strich stand ein Verlust von 3,3 Milliarden Dollar. Mary Barra gibt sich dennoch kämpferisch und betont, man bleibe auf dem „Pfad zur EV-Profitabilität“. Die Realität sieht derzeit eher nach einem kontrollierten Rückzug aus.
Auch das China-Geschäft bereitet Sorgen. Einst die Cash-Maschine des Konzerns, verbuchte die Sparte im vierten Quartal einen Verlust von 513 Millionen Dollar. Der Preiskampf im Reich der Mitte und die lokale Konkurrenz setzen dem US-Urgestein massiv zu.
Lichtblick Software
Hoffnung macht hingegen das Geschäft mit Dienstleistungen. Die Umsätze mit OnStar-Telematik und dem Assistenzsystem „Super Cruise“ steigen. Die abgegrenzten Umsatzerlöse in diesem Bereich sollen in diesem Jahr um 2,1 Milliarden auf insgesamt 7,5 Milliarden Dollar klettern. Ein hochprofitables Abo-Modell, das die zyklischen Schwankungen des Autobaus abfedern soll.
GM schichtet Kapital von riskanten Elektro-Wetten in bewährte Verbrenner-Renditen um. Das ist wenig visionär, aber betriebswirtschaftlich konsequent. Die General Motors-Aktie ist derzeit keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR.
Heute, 14:15