Der Starinvestor Ray Dalio warnt seit Monaten vor einer Blase bei Künstlicher Intelligenz. Sein Haus Bridgewater hat Micron im ersten Quartal 2026 noch aufgestockt und im zweiten Quartal 92 Prozent der Position verkauft. Seither ist die Aktie um ein weiteres Drittel gestiegen.
Am 24. Juni legte Micron die Zahlen für das dritte Quartal vor und übertraf die eigene Prognose an jeder Stelle: 41,46 Milliarden Dollar Umsatz nach 9,3 Milliarden Dollar im Vorjahr, bereinigt 25,11 Dollar Gewinn je Aktie, eine Bruttomarge von 84,9 Prozent – von jedem Dollar Umsatz blieben fast 85 Cent übrig.
Wichtiger ist der Ausblick: 50 Milliarden Dollar Umsatz für das laufende Quartal, rund 86 Prozent Marge, 31 Dollar Gewinn je Aktie. Die Analysten hatten mit 43,45 Milliarden Dollar und 25,43 Dollar gerechnet – diese Differenz bewegt den Kurs. Dahinter stehen 16 Abnahmeverträge mit festen Preisen oder Preiskorridoren. Speicherchips wurden bisher zum Tagespreis verkauft wie Heizöl; kippt die Nachfrage, fällt der Gewinn binnen Wochen mit. Genau das nehmen die Verträge heraus. Der Preis dafür: über 45 Milliarden Dollar Investitionen im Geschäftsjahr 2027 – ausgegeben, lange bevor der Umsatz daraus in die Kasse kommt.
Bridgewater: Die Spur in den Pflichtmeldungen
Ray Dalio führt Bridgewater seit 2022 nicht mehr, und das Haus arbeitet systematisch mit zuletzt 997 Positionen. Eine Einzelaktie ist dort selten ein Bekenntnis – die Bewegung darin schon. Und die ist deutlich: Einstieg im dritten Quartal 2025 bei durchschnittlich 128 Dollar, Aufstockung bei 229 und 398 Dollar, dann im zweiten Quartal 2026 der Verkauf von 1,36 Millionen Stück zu im Schnitt 753 Dollar. Ein Urteil über das Geschäft ist das nicht – nach einer Verfünffachung binnen dreier Quartale zwingt fast jedes Risikomodell zum Abbau.
Dalio: Was sein Rahmenwerk zu Micron sagt
Dalio misst Blasen an Stimmung, Konzentration und Bewertung und sah den amerikanischen Markt im Juni auf dem Weg zum Niveau von 2000 und 1929. An der Bewertung scheitert Micron dabei nicht: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 7 auf Basis der Schätzungen für das Geschäftsjahr 2027 ist die Aktie nicht überteuert.
Es sind zwei andere Punkte. Erstens der Gleichlauf: Micron ist letztlich dieselbe Wette wie Nvidia und Broadcom, nur mit mehr Hebel – wer sie neben den beiden hält, streut nicht, sondern konzentriert. Für ein Haus, dessen Kernidee unabhängig voneinander laufende Erträge sind, ist das ein Problem. Zweitens Taiwan: Dalio hat selbst gesagt, dass schon die Ankündigung einer einwöchigen Chip-Blockade sämtliche KI-Aktien fallen lassen würde. Ein solches Risiko lässt sich nicht in ein Modell rechnen, nur über die Größe der Position begrenzen.
Makro-Rahmenwerke steigen aus starken Trends notorisch zu früh aus – Dalio selbst hat 1982 eine Depression vorhergesagt, die nicht kam. Für Micron spricht, dass Kapazität für Speicher mit hoher Bandbreite Jahre braucht und dabei Fertigungsfläche für Standardspeicher verbraucht. Dagegen steht die gegenläufige Einschätzung von Morningstar, das dem Konzern trotz seiner Größe keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zuspricht.
Dalios Rahmenwerk kauft Micron heute nicht mehr – nicht wegen des Preises, sondern wegen der Rolle im Portfolio. Drei Punkte entscheiden am 30. September, wenn die Zahlen zum vierten Quartal kommen. Erstens: Hält die Bruttomarge die avisierten rund 86 Prozent? Zweitens: Wie hoch sind die ausstehenden Leistungsverpflichtungen aus den Kundenverträgen? Drittens: Bleibt das Investitionsbudget bei über 45 Milliarden Dollar? Eine Erhöhung wäre kurzfristig ein Vertrauensbeweis und mittelfristig das Signal für den nächsten Angebotsüberhang.
Wenn Sie wissen wollen, welches die wohl beste Aktie der Welt ist und wie es mit Apple und Nvidia weitergeht, dann sollten Sie sich die aktuelle Ausgabe von maydornsmeinung ansehen.
Den neusten maydornreport finden Sie hier.
DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Micron.
Aktien, Märkte, Analysen – klar, konkret und kontrovers. Alfred Maydorn hält Sie immer Dienstag bis Freitag mit seinem Newsletter auf dem Laufenden, wenn es um Trend- und Zukunftsaktien geht.
Melden Sie sich jetzt für maydornsmeinung an – kostenlos und unverbindlich.
Heute, 14:36
Bei Google bevorzugen