Microns Gewerkschaften in Taiwan haben am Dienstag Streikbereitschaft signalisiert. Knapp 10.000 der rund 15.000 Beschäftigten an den Standorten Taoyuan und Taichung sind organisiert, mehr als 80 % der Teilnehmer einer internen Umfrage stimmten im August für Arbeitskampf. Verhandelt wird nicht über Gehälter, sondern über eine Formel.
Im Zentrum steht der Incentive Pay Plan, kurz IPP – Microns jährliche Leistungsprämie aus einer Unternehmenskennzahl und der individuellen Leistung. Die Gewerkschaften werfen dem Konzern vor, nie offengelegt zu haben, wie diese Kennzahl gebildet wird, und vermuten, dass sie eher dem Umsatzwachstum folgt als dem Gewinn. Gedeckelt ist die Prämie bei 200 % des Zielwerts, etwa fünf Monatsgehältern. Ausgezahlt wurden zuletzt gut zweieinhalb.
Im Q3 des Geschäftsjahres 2026, das am 28. Mai endete, setzte Micron 41,46 Milliarden Dollar um, ein Plus von 346 % gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis kletterte von 2,17 auf 33,32 Milliarden Dollar, die Bruttomarge auf 84,9 %. Für das laufende Quartal stellt der Vorstand rund 50 Milliarden Dollar in Aussicht. Die Gewerkschaften fordern für das Geschäftsjahr 2026 eine Einmalzahlung, die nach eigener Rechnung rund 83 Monatsgehältern je Beschäftigtem entspricht, und ab dem Geschäftsjahr 2027 ein System, das 15 % des operativen Ergebnisses quartalsweise an die Belegschaft ausschüttet. Zum Vergleich: Samsung schüttet 10,5 Prozent des operativen Ergebnisses seiner Halbleitersparte aus und SK Hynix rund 10 Prozent des Gewinns.
Micron: Warum das keine reine Personalfrage ist
Taiwan ist Microns größter Fertigungsstandort, wo der Konzern nach Angaben Taipeis 43,90 Milliarden Dollar investiert hat. Gefertigt werden DRAM-Arbeitsspeicher und HBM – jener besonders schnelle Speicher, der direkt neben jedem KI-Beschleuniger sitzt und derzeit den Engpass der KI-Lieferkette bildet. Die Verwaltung des Central Taiwan Science Park warnt selbst, ein Ausstand könne die Halbleiterlieferkette der Insel treffen.
Nach taiwanischem Recht muss zuerst die Schlichtung scheitern, danach braucht es die Zustimmung von mehr als der Hälfte aller Mitglieder in geheimer Wahl – die 80 % stammen aus einer unverbindlichen Onlineumfrage. Bei Samsung endete im Mai ein fast identischer Konflikt mit einer Einigung kurz vor dem Ausstand. Streikdrohungen sind in dieser Branche eher Verhandlungsmasse als Endpunkt. Micron verweist zudem darauf, dass sich die eigene Vergütungsstruktur vom geforderten Modell unterscheide.
Die Schlichtung läuft bis Mitte September. Scheitert sie, fällt die Urabstimmung in genau die Wochen, in denen Micron Ende September die Zahlen zum vierten Quartal vorlegt. Teuer könnte es für Micron aber auch ohne Ausstand werden: Schon die Samsung-Formel würde bei Ergebnissen dieser Größenordnung die Kosten erhöhen und die Marge belasten. Die Frage ist deshalb nicht, ob gestreikt wird, sondern was die Personalkosten im Geschäftsjahr 2027 anrichten könnten.
DER AKTIONÄR hat die Aktien von Micron im AKTIONÄR-Depot.
DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Micron mit Kursziel 950 Euro und einen Stopp bei 650 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Micron Technology befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 14:12
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