Es bleiben schwere Zeiten für die ohnehin schon gebeutelten Lanxess-Aktionäre. Der Iran-Krieg hat den grundsätzlich soliden Jahresauftakt komplett zunichte gemacht und nun mehren sich wieder Negativ-Meldungen. So hat nun die Ratingagentur Moody’s die Bonität des Chemiekonzerns Lanxess nach dem vorerst gescheiterten Verkauf seiner Beteiligung herabgestuft.
Die Einstufung wurde von „Baa3“ auf „Ba1“ gesenkt. Damit liegt das Rating nun unterhalb des sogenannten Investment-Grade-Bereichs und damit im spekulativen Bereich. Dieser Schritt kam für viele Marktbeobachter allerdings nicht unerwartet. Hintergrund ist die Entwicklung rund um das Gemeinschaftsunternehmen Envalior. Lanxess hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass der Finanzinvestor Advent auf den geplanten Erwerb der Beteiligung verzichtet habe. Advent berief sich dabei auf den vereinbarten Finanzierungsvorbehalt. Der Chemiekonzern aus Köln hatte ursprünglich damit gerechnet, in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Euro durch den Verkauf seiner etwa 41-prozentigen Beteiligung an Envalior zu erlösen. Stattdessen greifen nun die bereits vereinbarten Kaufoptionen für die Jahre 2027 und 2028.
Die Möglichkeit einer Herabstufung war im Markt bereits diskutiert worden. So hatte UBS-Analyst Christian Bell zuvor gewarnt, dass Lanxess bei den Ratingagenturen den Investment-Grade-Status verlieren könnte. Ein solcher Schritt könnte die Finanzierung für das Unternehmen verteuern, zumal Lanxess vergleichsweise hoch verschuldet ist.
Das Unternehmen selbst sieht seine Finanzierungssituation dennoch stabil. Auch ohne die erwarteten Einnahmen aus dem Anteilsverkauf sei die langfristige Finanzierung gesichert. Lanxess hatte bereits in der vergangenen Woche betont, dass die Rückzahlung einer im Oktober fälligen Anleihe bereits abgesichert sei.
Nach der Herabstufung erklärte der Konzern am Montagabend zudem, dass sich die Ratingänderung nur in sehr begrenztem Umfang auf die aktuellen Finanzierungskosten auswirke. Nach Unternehmensangaben erhöhen sich die Kosten lediglich um rund eine Million Euro pro Jahr. Diese zusätzlichen Belastungen betreffen die Bereitstellungszinsen bestehender Kreditlinien.
Darüber hinaus verfügt Lanxess laut eigenen Angaben weiterhin über fest zugesagte, bislang nicht in Anspruch genommene Kreditlinien im Umfang von 1,35 Milliarden Euro. Die entsprechenden Finanzierungsvereinbarungen enthalten zudem keine finanziellen Sicherungsklauseln, sogenannte Financial Covenants. Parallel dazu arbeitet der Konzern weiter daran, seine Verschuldung zu reduzieren und strebt nach eigenen Angaben eine möglichst schnelle Rückkehr zu soliden Kennzahlen im Investment-Grade-Bereich an.
Es bleibt dabei: Aufgrund des anhaltend schwierigen Marktumfelds drängt sich weiterhin kein Kauf der Lanxess-Papiere auf. Stattdessen sollte von der Seitenlinie aus abgewartet werden, bis sich das Umfeld für Chemiekonzerne wieder nachhaltig verbessert.
Heute, 07:16