Auch am Dienstag überschatten KI-Sorgen die Kursentwicklungen an der Börse. Nicht nur Software-Aktien geraten dabei unter Druck, auch der Automobilzulieferer Aumovio ist davor nicht gefeit. Doch verliert die Aktie zu Recht, oder sind die Sorgen, KI könnte eine Verschiebung der Wertschöpfung auslösen, übertrieben? Ein Kommentar.
Auslöser für die Verluste bei Aumovio ist eine Einschätzung des Analysehauses Bernstein. Darin heißt es, in Bezug auf die Papiere von Aumovio und TeamViewer: „Sie werden behandelt, als ob die Verwerfungen durch KI das Problem von anderen sind.“ Anleger würden dabei die durch Automatisierung besonders hohe Verdrängungsrisiken übersehen. Bei Teamviewer sehen die Analysten insbesondere den traditionellen, personalintensiven Fernsupport in Gefahr.
Für Aumovio könnte hingegen der Wandel zu softwaredefinierten Fahrzeugen ein Risiko bergen. Insbesondere wenn eine Verschiebung der Wertschöpfung hin zu den Autobauern, die selbst Software entwickeln, damit einhergeht oder neue Konkurrenz aus dem Techsektor oder der Halbleiterbranche dazustößt.
Keine echte Neuigkeit
Was die Bernstein-Analysten in ihrer Studie beschreiben, ist allerdings gar kein neues Phänomen. Chipkönig Nvidia kooperiert bereits seit längerem intensive mit der Automobilbranche. Mit NVIDIA DRIVE AGX bietet der US-Konzern schon heute eine der führenden KI-Plattformen für autonomes Fahren an. Diese kommt unter anderem im Mercedes-Benz CLA oder dem Volvo ES90 zum Einsatz. Und auch beim Thema Robotaxis spielt Nvidia in Kooperation mit Mercedes-Benz und Uber schon jetzt eine wichtige Rolle.
Aus meiner Sicht ist es hingegen weniger wahrscheinlich, dass die deutschen Autobauer weiterhin Milliarden in den Aufbau einer komplett eigenen Softwareentwicklung pumpen. Das Cariad-Fiasko bei Volkswagen dürfte alle wachgerüttelt haben. Falls nicht, ist den Automanagern dieser Welt nicht mehr zu helfen. Zudem bietet die Continental-Abspaltung laut eigenen Angaben bereits heute ein breites Spektrum von Full-Stack-Lösungen bis hin zu einzelnen Hardware- und Softwarekomponenten im Bereich der softwaredefinierten Fahrzeuge an. Ist also bereits mit von der Partie.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt Aumovio aus meiner Einschätzung nach aussichtsreich. Anleger sollten sich von den aktuellen KI-Sorgen nicht verunsichern lassen und emotionslos den Stoppkurs des AKTIONÄR beachten.
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