Es ist wieder so weit: Die US-Berichtssaison ist eröffnet. Den Auftakt machen wie gewohnt die großen Banken – allen voran Branchenprimus JP Morgan. Das Institut hat am Dienstag seine Zahlen für das vierte Quartal vorgelegt. Auf den ersten Blick zeigt sich dabei ein gemischtes Bild. Das liegt nicht zuletzt an einem Deal mit Apple.
Unter dem Strich sank der Gewinn im Schlussquartal auf 13 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,63 Dollar je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte JP Morgan noch 14 Milliarden Dollar oder 4,81 Dollar je Aktie verdient. Belastet wurde das Ergebnis durch einen einmaligen Sonderposten im Zusammenhang mit der Übernahme der Apple-Kreditkartenpartnerschaft von Goldman Sachs. Allein hierfür stellte die Bank 2,2 Milliarden Dollar an Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle ein.
Ohne diesen Sondereffekt fiel das Bild allerdings deutlich freundlicher aus. Bereinigt stieg der Quartalsgewinn auf 14,7 Milliarden Dollar beziehungsweise 5,23 Dollar je Aktie. Damit übertraf JP Morgan die Analystenerwartungen klar. Rückenwind kam vor allem aus dem Handelsgeschäft: Sowohl der Aktienhandel als auch das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen liefen etwas besser als gedacht.
Auch auf der Umsatzseite konnte die Bank überzeugen. Die Erträge kletterten um rund sieben Prozent auf 46,8 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 46,3 Milliarden Dollar gerechnet. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal hatte JP Morgan 43,7 Milliarden Dollar umgesetzt.
Strategisch ist der Deal mit Apple ein weiterer Erfolg für Vorstandschef Jamie Dimon. Mit der Übernahme der Kreditkartenpartnerschaft baut JP Morgan seine Position im lukrativen Kreditkartengeschäft weiter aus und festigt seine starke Stellung sowohl im Privatkunden- als auch im Investmentbanking.
Allerdings kommt die Transaktion zu einem sensiblen Zeitpunkt für die Branche. In den USA wird derzeit über eine mögliche Deckelung der Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent diskutiert. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt signalisiert, dass Unternehmen die Vorgaben ab dem 20. Januar umsetzen sollten. Analysten zweifeln jedoch daran, dass eine solche Maßnahme ohne Zustimmung des Kongresses realisierbar ist. Branchenvertreter warnen bereits vor einer Einschränkung der Kreditvergabe und einer Abwanderung von Kunden zu unregulierten Anbietern.
Mit den Zahlen von JP Morgan ist der Startschuss für die US-Banken gefallen. Bereits morgen legen Bank of America, Wells Fargo und Citigroup ihre Quartalszahlen vor. Am Donnerstag folgen dann Morgan Stanley und Goldman Sachs sowie der Vermögensverwaltungsriese Blackrock. Die weiteren Berichte dürften zeigen, ob die starke operative Entwicklung von JP Morgan ein Einzelfall war oder ein positives Signal für den gesamten Sektor darstellt.
Mit den nun vorliegenden Zahlen untermauert JP Morgan einmal mehr seine Ausnahmestellung im US-Bankensektor. Der Sonderposten im Zusammenhang mit dem Apple-Deal verzerrt zwar den ausgewiesenen Gewinn, operativ präsentierte sich das Institut jedoch stärker als erwartet. Dass es dem Management immer wieder gelingt, auch aus politisch und regulatorisch schwierigen Rahmenbedingungen Chancen abzuleiten, spricht für die Qualität des Konzerns. DER AKTIONÄR hält daher an der Aktie fest.
Heute, 13:01