03.02.2020 Samuel Kolbeck

Infineon vor Woche der Wahrheit - darauf kommt es jetzt an!

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Infineon Technologies
Trendthema

Schon im Herbst letzten Jahres gab die EU Infineon grünes Licht für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor. Die Freigaben aus den USA und aus China lassen allerdings noch auf sich warten. Allgemein erwartet das Unternehmen ein schwaches nächstes Halbjahr. Am kommenden Mittwoch (5. Februar) steht die Veröffentlichung der Quartalszahlen an.

In der Vergangenheit ist bereits die Übernahme des US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed aufgrund des Vetos der Kartellwächter gescheitert. Reinhard Ploss, Konzernchef von Infineon, ist dieses Mal allerdings zuversichtlich. Die Übernahme von Cypress Semiconductor würde mit einem Volumen von neun Milliarden Euro die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte darstellen.

Infineon erhofft sich davon vor allem einen größeren Fußabdruck in den USA und ein Aufsteigen in die Top 10 der Halbleiterhersteller weltweit. Auch soll der Deal als Baustein dienen, um zurück zu dauerhaft großen Wachstum zu gelangen.

Aktuell bekommt der Halbleiterspezialist die Schwäche der Autoindustrie und die eingetrübte Weltwirtschaft zu spüren. Aufgrund der angespannten Konjunkturlage stellt sich der Konzern auf eine herausfordernde erste Jahreshälfte ein.

Das erwartet Infineon

Für das typischerweise schwächere Auftaktquartal geht der Chiphersteller von einem deutlichen Umsatzrückgang von sieben Prozent (plus oder minus zwei Prozentpunkte) im Vergleich zum Vorquartal aus. Die operative Marge (Segmentergebnis-Marge) erwartet das Unternehmen bei etwa 13 Prozent. Für das Gesamtjahr peilen die Neubiberger ein Erlösplus von 5 Prozent (plus oder minus zwei Prozentpunkte) im Vergleich zum Vorjahr an. Im Geschäftsjahr 2018/19 waren die Umsätze um sechs Prozent auf rund acht Milliarden Euro gestiegen. Damit würde sich das durchschnittliche Wachstum weiter verlangsamen. Die Segmentergebnis-Marge soll in der Mitte der Umsatzspanne etwa 16 Prozent erreichen und damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres liegen (16,4 Prozent).

Das erwarten die Analysten

Wie Infineon gehen auch die Analysten von einem schwächeren Start ins neue Geschäftsjahr aus. Sie haben im Schnitt eine Umsatzerwartung von 1,94 Milliarden Euro auf dem Zettel - nach 2,06 Milliarden Euro im Vorquartal und 1,97 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Segmentergebnis sehen die Experten bei 255 Millionen Euro, was einer Marge von 13,2 Prozent entspräche. Den Umsatz für das Gesamtjahr erwarten die Analysten bei 8,45 Milliarden Euro und prognostizieren damit wie Infineon ein Umsatzwachstum von fünf Prozent. Die Segmentergebnis-Marge liegt mit 16,1 Prozent ebenfalls im Rahmen dessen, was der Chipkonzern selbst erwartet.

Das Analysehaus Kepler Cheuvreux rechnet mit einem mauen ersten Geschäftsquartal. Die Marktexperten gehen davon aus, dass die Jahresziele bestätigt werden. Aus Sicht von David Mulholland von der Schweizer Großbank UBS stelle Infineon nach wie vor eine hochqualitative Wachstumsgeschichte dar und biete einige Wachstumstreiber für die kommenden 12 Monate. Dazu gehöre auch die noch nicht genehmigte Cypress-Übernahme.

Zuversichtlich ist die britische Großbank Barclays. Deren Experte Andrew Gardiner ist nun positiver gestimmt, da sich inzwischen auch die spätzyklischen Bereiche Automobil und Industrie, auf die Infineon fokussiert sei, zunehmend erholten. Alexander Duval von der US-Investmentbank Goldman Sachs gibt allerdings zu bedenken, dass sich das Umfeld in einigen Geschäftsfeldern zwar aufgehellt habe. Gleichwohl hätten sich in den vergangenen Monaten keine dramatischen Verbesserungen eingestellt.

Derweil geht das US-Analysehaus Bernstein Research davon aus, dass der Einfluss der Ausbreitung des Coronavirus für den Halbleiterhersteller nicht signifikant und bereits in den Kurs eingepreist sei.

Infineon Technologies (WKN: 623100)

Die Zahlen am Mittwoch werden den Weg weisen. DER AKTIONÄR erwartet, dass die Prognosen für das erste Quartal erfüllt wurden.Zudem dürfte Konzernchef Reinhard Ploss die Prognose für das Gesamtjahr bestätigen, dabei aber auf das weiter angespannte und von vielen Unsicherheiten geprägte Marktumfeld hinweisen.

(Mit Material von dpa-AFX)