Infineon hat vor allem dank der boomenden Nachfrage nach Stromchips für KI-Rechenzentren im dritten Geschäftsquartal 2025/26, das Ende September abgeschlossen wurde, einen Rekordumsatz erzielt. Die etwas hinter den Erwartungen zurückgebliebene operative Marge kam bei den Investoren in einer ersten Reaktion allerdings nicht gut an. Die Aktie fällt zurück. So reagieren die Analysten.
Über die operative Entwicklung im dritten Quartal und den Ausblick auf die kommenden Monate hat DER AKTIONÄR bereits berichtet. Für das vierte Quartal erwartet der heimische Chipriese wieder deutliche Zuwächse. Im Geschäftsjahr 2025/26 geht der DAX-Konzern nun von einem Umsatzanstieg von rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 16,3 Milliarden Euro aus. Bislang hatte das Management lediglich einen deutlichen Anstieg in Aussicht gestellt. Bei den KI-Erlösen erwartet Infineon nun mehr als 1,6 Milliarden Euro und damit ebenfalls etwas mehr als bisher. Mehr dazu hier.
„Infineon hat das dritte Quartal mit einem Rekordumsatz abgeschlossen und setzt den Wachstumskurs konsequent fort“, sagte Konzernchef Jochen Hanebeck laut Mitteilung zu den Zahlen. „Der Aufschwung ist in vollem Gange“, legte der Vorstandsvorsitzende in der anschließenden Telefonkonferenz nach. Immer mehr Zielmärkte zeigten einen positiven Trend. „Unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bleiben sehr gefragt und sind weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber. Darüber hinaus sorgen weltweit steigende Investitionen in die Netzinfrastruktur für Rückenwind“, so Hanebeck. Auch im zuletzt schwächelnden Autogeschäft, auf das rund 50 Prozent des Umsatzes entfallen, hätten die Aufträge „spürbar“ angezogen.
Inzwischen haben sich die ersten Analysten zu Wort gemeldet. Sandeep Deshpande von JPMorgan kritisierte die Ergebnisse und den Ausblick des Chipherstellers. Positiv bewertete er dagegen die längerfristigen Liefervereinbarungen mit Kunden im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Diese könnten Infineon über Jahre hinweg eine bessere Planbarkeit verschaffen – auch mit Blick auf die benötigten Produktionskapazitäten. Deshpande sieht den fairen Wert der Aktie daher weiterhin bei 96 Euro.
Die Profitabilität liege etwas unter den Konsenserwartungen, so Jefferies-Analyst Janardan Menon in einer ersten Einschätzung. Die Umsatzprognose des Chipherstellers für das laufende vierte Geschäftsquartal liege dagegen um zwei Prozent über der durchschnittlichen Markterwartung. Er hat seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 96 Euro dennoch bestätigt.
Die operative Marge hatte sich im dritten Geschäftsquartal um zwei Prozentpunkte auf 19,1 Prozent verbessert. Andrew Gardiner von der Citigroup erklärte, dass sich die Konsenserwartungen infolge ihres jüngsten Anstiegs bereits der 20-Prozent-Marke genähert hätten. Fundamental entwickele sich Infineon in die richtige Richtung, doch der Markt habe seine Prognosen noch schneller angehoben.
Die Umsätze sind besser als erwartet, die Profitabilität ist dagegen etwas schlechter ausgefallen. Die Folge: Die Aktie rutscht um mehr als fünf Prozent ab und ist Schlusslicht im DAX. Dennoch kommt das Papier im laufenden Jahr noch immer auf ein Kursplus von gut 60 Prozent.
Auch wenn die Margen etwas hinterherhinken: Infineon ist auf Kurs, der Vorstand wird an den richtigen Stellschrauben drehen, um die Profitabilität zu verbessern. Die fundamentalen Trends sind zudem intakt. Die Aktie bleibt damit eine attraktive Möglichkeit, mittel- und langfristig von der Erholung des Halbleitermarkts und dem anhaltenden KI-Boom zu profitieren. Anleger mit Weitblick bleiben vorerst investiert. Kurse um 60 Euro bieten sich weiterhin zum Auf- oder Ausbau einer Position an.
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