22.03.2019 André Fischer

Facebook: Vertrauensverlust verschärft sich

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Eigentlich sollten Unternehmen dafür Sorge tragen, dass die Passwörter ihrer Nutzer in ausreichender Verschlüsselung gespeichert werden. Der Facebook-Konzern hat das nicht konsequent getan. Hunderte Millionen Passwörter für die Apps Facebook, Instagram und Facebook Lite lagen im Klartext auf internen Systemen. Dort konnten Mitarbeiter des Unternehmens sie lesen. Facebook bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des auf IT-Sicherheit spezialisierten Reporters Brian Krebs.

Womöglich bis zu 600 Millionen offenliegende Passwörter

Der US-Konzern erklärte, die Passwörter seien aber für niemanden außerhalb des Unternehmens sichtbar gewesen. Krebs schreibt von 20.000 Facebook-Mitarbeitern, die die Passwörter hätten einsehen können. Er beruft sich in diesem Zusammenhang auf einen Insider, demzufolge mehrere Mitarbeiter intern auch tatsächlich insgesamt etwa neun Millionen Suchanfragen gestellt hätten, mit denen sie auf die Passwörter im Klartext hätten stoßen können. Die Quelle habe die Zahl der offenliegenden Passwörter mit 200 Millionen bis 600 Millionen angegeben.

Reichen die Archiv-Dateien bis 2012 zurück?

Diese Zahlen bestätigte Facebook nicht. Zudem sei der Fehler gemäß der Aussage des Managements nun behoben worden. Facebook machte allerdings keine Angaben dazu, wann genau dies geschehen ist. Brian Krebs weist darauf hin, dass die Archiv-Dateien mit unverschleierten Passwörtern sogar bis ins Jahr 2012 zurückreichen sollen.

Vorsichtige Anleger meiden die Facebook-Aktie

Das grundsätzliche Problem: Wer ein Passwort und die dazugehörige E-Mail-Adresse kennt, kann ein Konto problemlos übernehmen – wenn es nicht noch mit weiteren Maßnahmen außer dem Kennwort gesichert ist. Es entsteht in der Öffentlichkeit zunehmend der Eindruck, dass Facebook die Daten seiner Nutzer offenbar nicht ausreichend schützen kann oder will. Vor diesem Hintergrund bleiben vorsichtige Anleger bei der Facebook-Aktie weiter außen vor.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Facebook.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

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