08.03.2019 André Fischer

Facebook: Geschäftsmodell wankt

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Facebook
Trendthema

Je mehr Daten, desto besser. Das ist immer eines der Kernprinzipien von Facebook gewesen. Der Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg hat die Mitglieder seines sozialen Netzwerkes in den letzten Jahren wiederholt dazu ermuntert, möglichst viel von sich preiszugeben. Der Facebook-Chef führte weiter aus, dass es zu einer neuen „sozialen Norm“ geworden sei, dass Menschen im Internet offenherzig Inhalte austauschen. Dieses hochlukrative Geschäftsmodell könnte demnächst scheitern.

Das Problem: Der freizügige Informationsfluss führte dazu, dass der Ruf von Facebook aufgrund fragwürdiger Inhalte und diverser Datenaffären beschädigt wurde. Mark Zuckerberg will dieses Problem jetzt beheben, indem er auf radikale Weise mit der Vergangenheit von Facebook bricht.

Radikale Neuausrichtung

In einem ausführlichen Facebook-Eintrag kündigte Zuckerberg eine Neuausrichtung seines Imperiums an. So soll die Kommunikation seinen Vorstellungen zufolge demnächst zunehmend verschlüsselt sowie in kleinerem Kreis stattfinden. Er sprach bildlich vom „digitalen Gegenstück eines Wohnzimmers“ – im Gegensatz zum „digitalen Gegenstück eines Marktplatzes“, wie es früher hieß.

Mark Zuckerberg führte diesbezüglich aus: „Ehrlich gesagt, haben wir im Moment keinen starken Ruf dafür, Dienste zu bauen, die die Privatsphäre schützen, und in unserer Geschichte haben wir uns auf Instrumente für offenes Teilen fokussiert.“

Die Kehrseite der Verschlüsselung

Einer der wichtigsten Bausteine in der neuen Strategie ist die Verschlüsselung. Zuckerberg kündigte an, dass er dort dem Vorbild der „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ von WhatsApp folgen will. Der Facebook-Chef gab allerdings zu, dass eine derartige Verschlüsselung auch eine Kehrseite haben kann, etwa wenn die dadurch gewährte Privatsphäre missbraucht wird, etwa für Terrorismus oder die Ausbeutung von Kindern. Insgesamt überwiege aber der Nutzen verschlüsselter Kommunikation.

Darüber hinaus will Zuckerberg Dienste wie WhatsApp, Messenger und Instagram stärker miteinander verknüpfen. Dieses Vorhaben könnte Regulierungsbehörden und Politikern missfallen, die das als Versuch des Unternehmens werten könnten, seine Macht zu zementieren. In den USA wird derzeit verstärkt über die dominierende Rolle von Facebook diskutiert. In diesem Zusammenhang gibt es Forderungen nach einer deutlich restriktiveren Regulierung sowie nach einer Zerschlagung.

Werbegeschäft gerät unter Druck

Der spektakuläre Vormarsch von Facebook beruhte auf einem besonderen Geschäftsmodell. Dieses setzte auf einen ungehinderten Informationsfluss und auf die damit verbundene umfassende Auswertung von Daten. Dank der sprudelnden Werbeeinnahmen konnte das soziale Netzwerk enorm viel Geld verdienen. Wenn Facebook demnächst nun selbst den freien Informationsfluss auf seinen Plattformen beschneidet, sind negative Auswirkungen auf das Werbegeschäft zu befürchten, was zu Lasten der Profitabilität gehen könnte. Vorsichtige Anleger verharren bei der Facebook-Aktie daher an der Seitenlinie.

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Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

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