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07.03.2019 André Fischer

Facebook: Gefährlicher Vertrauensverlust

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Facebook

Emmanuel Macron schockte bei seiner Rede in Berlin die Zuhörer mit zahlreichen protektionistischen Elementen. So sagte der französische Präsident, dass Unternehmen, „die unsere strategischen Interessen und unsere wesentlichen Werte untergaben, wie… Datenschutz und eine Entrichtung von Steuern in angemessener Höhe“, „bestraft oder verboten“ werden müssten. Zudem treibt Frankreich – mangels einer europäischen Lösung – Pläne für eine Digitalsteuer überraschend schnell voran.

Die französische Nationalversammlung soll noch im April über einen diesbezüglichen Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire abstimmen. Damit nicht genug: Da derzeit bereits 23 der 27 EU-Partner Frankreichs für eine Digitalsteuer sind, kann für die Zukunft auch eine gesamteuropäische „GAFA“-Steuer nicht ausgeschlossen werden.

Veränderte Spielregeln

Für Facebook kommen diese Entwicklungen zur Unzeit. Denn: Eine vom Edelman Trust Barometer durchgeführte Umfrage offenbart, dass die klassischen Medien (Zeitungen, Radio und Fernsehen) immerhin noch das Vertrauen von 68 Prozent der Befragten genießen. Parallel hierzu kommen Facebook und Co. jetzt nur noch auf 32 Prozent.

Gemäß der Aussage von Ernst Primosch – zuständig für das Deutschland-Geschäft von Edelman – haben die Datenskandale von Facebook und Wahlmanipulationen das Vertrauen in soziale Medien drastisch untergraben. Der Edelman-Manager führt weiter aus: „Die Spielregeln ändern sich aktuell, die Prinzipien guter Kommunikation bleiben. Entscheidend ist und bleibt nicht der Kanal, sondern der Absender.“

Irreparabler Schaden?

Der US-Tech-Konzern könnte in den nächsten Jahren einer restriktiven Regulierung unterworfen werden. Zudem haben die Datenskandale bei vielen Nutzern zu einem Vertrauensverlust geführt, der nicht so schnell zu reparieren sein dürfte. Vorsichtige Anleger bleiben bei der Facebook-Aktie daher außen vor.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
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Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-662-2