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20.10.2016 Thorsten Küfner

E.on: Rekordverlust?

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E.ON

E.on droht angesichts der eigenen teuren Aufspaltung und des Verfalls der Strompreise im Großhandel in diesem Jahr der nächste Rekordverlust. Schon in den ersten sechs Monaten hatte E.on wegen Abschreibungen auf die inzwischen abgespaltene Kraftwerks- und Handelstochter Uniper einen Verlust von 3 Milliarden Euro verbucht.

In den kommenden Monaten dürften weitere teure Sondereffekte hinzukommen, hieß am Donnerstag in Konzernkreisen, die damit einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts" bestätigten. Ein E.on-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Im vergangenen Jahr hatte der DAX-Konzern einen Verlust von rund sieben Milliarden Euro verbucht.

PreussenElektra und Uniper-Beteiligung sorgen für Verluste

So könnte die Atomsparte PreussenElektra, die E.on auf politischen Druck hin nicht mit Uniper ausgliedern durfte, einen Verlust von 3 bis 4 Milliarden Euro ausweisen. Grund sind vor allem die niedrigen Strompreise, die die Erlösaussichten für die Restlaufzeit der Anlagen erheblich mindern.

Hinzu kommt, dass E.on die verbliebene 47-prozentige Beteiligung an Uniper noch mit rund 5,5 Milliarden Euro in den Büchern stehen hat. Nach dem Börsengang ist dieses Paket aber nur noch rund 2,1 Milliarden Euro wert. Die Differenz wird voll auf das E.on-Ergebnis durchschlagen.

Niedrige Zinsen belasten zusätzlich
Weiteres Ungemach droht an anderer Stelle. Die niedrigen Zinsen führen dazu, dass die gebildeten Rückstellungen für Langfristverpflichtungen wie Pensionen und den Rückbau der Kernkraftwerke vermutlich weiter erhöht werden müssen. E.on hat für den Abriss der Atommeiler derzeit rund 9 Milliarden Euro reserviert. Eine Erhöhung der Rücklagen dafür wird das zuletzt schon deutlich geschmolzene Eigenkapital weiter belasten.

Der Konzern bereitet seine Aktionäre schon seit längerem auf eine mögliche Kapitalerhöhung vor. Damit will E.on aber ausdrücklich nur die noch nicht finanzierten Verpflichtungen von rund 2 Milliarden Euro bei der Einrichtung des geplanten Atommüll-Staatsfonds stemmen.

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung den Gesetzentwurf für die Finanzierung des Atomausstiegs beschlossen. Geplant ist, dass der Staat den vier Atomkonzernen die Verantwortung für die Atommüll-Endlagerung abnimmt. Dafür müssen sie zusammen mehr als 23 Milliarden Euro an einen Staatsfonds überweisen. Darin enthalten ist ein Risikoaufschlag zu den bisherigen Rückstellungen, mit dem sich die Konzerne aus der sogenannten Ewigkeitshaftung freikaufen können. E.on muss allein rund 10 Milliarden Euro in den Fonds einzahlen.

Innogy bleibt attraktiver
Die Tatsache, dass E.on (und auch RWE) nun bald Klarheit bezüglich der Kostenbeteiligung für den Rückbau der Atomkraftwerke haben, ist natürlich positiv zu werten. Allerdings wird es schwer werden, die anfallenden Kosten komplett aus eigener Kraft stemmen zu können. Eine Kapitalerhöhung kann nicht ausgeschlossen werden. DER AKTIONÄR favorisiert daher im Sektor weiterhin die Anteile der RWE-Tochter Innogy.

(Mit Material von dpa-AFX)