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Die Polykrise

Die Polykrise
Bernd Förtsch 29.04.2026, 08:30 Bernd Förtsch
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Software-Aktien crashen, die Automobilindustrie ist in ihrem Bestand bedroht. Die politischen Verwerfungen sind zahllos, diverse Wirtschaftsindikatoren schlagen Alarm. Meine Gedanken zur aktuellen Lage – an den Börsen und im echten Leben.

SAP. Habe ich leider verpasst. Das muss ich zugeben. Jahrzehnte des Wachstums und des Börsenerfolgs. Offenbar Vergangenheit. Wenn ich mir heute den SAP-Chart ansehe, dann wird mir angst und bange. Das ehemalige deutsche Aushängeschild ist an der Börse nur noch ein Schatten seiner selbst: Knapp 27 Prozent im Minus seit Jahresanfang. Gute 40 Prozent in den letzten zwölf Monaten. Knapp 180 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung – einfach weg!

Solche Entwicklungen geschehen nicht einfach so. Softwarefirmen und ihre Aktien waren 30 Jahre lang eine sichere Bank. Jetzt erlebt der gesamte Sektor eine Kernschmelze. Das Thema Künstliche Intelligenz disruptiert ein Geschäftsmodell. Immer schneller. Umso schlimmer die Ignoranz hierzulande. „KI ist eine Blase“ – so lautet unisono das Fazit, dass zahlreiche deutsche Wirtschaftsmedien gebetsmühlenartig herunterbeten. „Die Blase wird platzen!“ Vielleicht ist die Blase schon lange geplatzt ...

Aber unsere Probleme beschränken sich nicht auf KI und den Softwaresektor. Krise ist aktuell überall. Nehmen wir die deutschen Autobauer. Sie hinken hoffnungslos hinterher. Elon Musk plant bereits die Fertigung humanoider Roboter und lässt dafür bestehende Tesla-Fabriken umbauen. Hierzulande kämpft man noch um die richtige Strategie für die Markteinführung des E-Autos. Hinzu kommt die Konkurrenz aus Asien. Leistungsstarke und günstige Modelle von Anbietern wie BYD und Co machen den heimischen Anbietern das Leben zusätzlich schwer. Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern stehen buchstäblich in Flammen. Woche für Woche sehen wir Insolvenz um Insolvenz. Tausende Arbeitsplätze sind bereits verloren.

Die Geldmenge der USA
Mit 22,7 Billionen US-Dollar ist in den USA so viel „schnelles Geld“ verfügbar wie noch nie. Das birgt Gefahren.

Sehen wir gerade die Mutter aller Krisen? Die Polykrise? Einiges spricht dafür: Unser wichtigster Wirtschaftszweig? In seiner Existenz bedroht! Die Zukunft der Wissensgesellschaft im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz? Wird andernorts entwickelt, geschaffen und entschieden! Krieg in Europa? Findet nach wie vor statt! Krieg im Nahen Osten? Ebenso! Krieg im Mittleren Osten? Ebenfalls! Die Straße von Hormus ist nicht nur das Nadelöhr der Weltenergieversorgung. Dort werden auch einige Weichen für die Zukunft gestellt – für die Region, für die NATO, für die Beziehung der Vereinigten Staaten zu ihren langjährigen Verbündeten, für die USA und Präsident Donald Trump selbst.

Stichwort USA: Hier steigt die Geldmenge M2 seit Jahren fast ungebremst. Hinter „M2“ verbirgt sich die Summe aus Bargeld, Sichteinlagen und kurzfristigen Spareinlagen. Das Geld also, auf das man kurzfristig zugreifen kann. Das „schnelle Geld“. Dieses Geld wird dort, wo es liegt, durch die Inflation aufgefressen. Gleichzeitig ist das Wachstum dieser Geldmenge am Ende des Tages gleichbedeutend mit der Inflation. Je mehr Geld man produziert, desto weniger ist es am Ende des Tages wert. Angebot und Nachfrage. Das alte Spiel. Und gefährlich.

Wir stecken mitten in einer Polykrise. Wirtschaft, Kriege, China, Zölle, Inflation – ein Cocktail der Probleme. Ich denke, wir sind schon zu einem guten Teil „durch“. Aber ich weiß nicht, wie die Welt aussehen wird, wenn wir es am Ende geschafft haben. Ich halte nichts für gewiss. Jeder von uns wird sich auf ungeahnte Veränderungen einstellen müssen. Bleiben Sie wachsam!

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