Schon betrunken? Wenn Sie diese Zeilen heute noch lesen können, sind Sie vielleicht nur freudentrunken vom schönen Wetter. Oder Sie arbeiten nüchtern. Oder leben einfach gesund. Zur Sache: Passend zum 1. Mai gibt es bei Diageo endlich wieder einen Grund für bessere Laune. Die Alkohol-Aktie legt heute um mehrere Prozent zu. Wirklich hochprozentig ist die Angelegenheit aber noch nicht.
Auslöser für den Kursanstieg bei der Diageo-Aktie ist ein politisches Signal aus den USA: Präsident Donald Trump will Zölle und Handelsbeschränkungen auf schottischen Whisky abschaffen. Für den schwer angeschlagenen Spirituosen-Konzern wäre das eine spürbare Entlastung.
Trump kündigte gestern auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social an, die bestehenden Zölle und Beschränkungen für Scotch zu streichen. Hintergrund ist offenbar ein Besuch des britischen Königshauses im Weißen Haus.
Das komplette Statement
Konkret schrieb Trump in seiner typischen Art, die bisweilen etwas angesäuselt wirkt: „Zu Ehren des Königs und der Königin des Vereinigten Königreichs, die gerade das Weiße Haus verlassen haben und nun in ihr wunderbares Land zurückkehren, werde ich die Zölle und Beschränkungen auf Whisky aufheben, die Schottlands Zusammenarbeit mit dem Commonwealth von Kentucky bei Whisky und Bourbon betreffen – zwei sehr wichtige Industrien in Schottland und Kentucky.
Die Menschen wollten das schon lange, denn es gab einen großartigen Handel zwischen den Ländern, insbesondere im Zusammenhang mit den verwendeten Holzfässern.
Der König und die Königin haben mich dazu gebracht, etwas zu tun, was sonst niemand geschafft hat – und das, ohne mich kaum darum zu bitten! Es war eine große Ehre, sie beide in den USA zu empfangen.“
54 Millionen Entlastung?
Die USA sind für Diageo einer der wichtigsten Absatzmärkte. Die positive Kursreaktion (rund 3 Prozent nach oben) kommt daher nicht von ungefähr. Laut Citi-Analyse könnten die bisherigen Zölle auf schottischen Whisky rund 54 Millionen Dollar zum gesamten US-Zoll-Gegenwind von etwa 200 Millionen Dollar beigetragen haben, der Diageo zuletzt beim operativen Ergebnis belastet hat. Eine Abschaffung könnte das Ergebnis je Aktie auf annualisierter Basis um 1 bis 2 Prozent steigern.
So positiv die Nachricht kurzfristig ist: Der übergeordnete Trend bleibt schwach. Die Diageo-Aktie befindet sich im Abwärtstrend. Der heutige Anstieg führt die Aktie zunächst nur wieder an die fallende 50-Tage-Linie heran. Auch fundamental ist die Baustelle nicht verschwunden. Diageo kämpft seit Längerem mit schwächerer Nachfrage, veränderten Konsumgewohnheiten und Druck auf das Wachstum. Damit Diageo-Anleger wirklich besoffen vor Glück werden, müsste mehr kommen als ein kleiner Feiertagssprung.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Diageo.
Heute, 16:23