26.05.2017 Fabian Strebin

Deutsche Bank: Das will die HNA Group wirklich

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Deutsche Bank
Trendthema

Der chinesische Mischkonzern HNA Group ist in Deutschland bis vor kurzem nahezu unbekannt gewesen. Der Einstieg bei der Deutschen Bank im Frühjahr diesen Jahres hat das aber geändert. Die Chinesen haben im Zuge der jüngsten Kapitalerhöhung im April ihren Anteil überraschend auf 9,9 Prozent aufgestockt und sind damit zum größten Einzelaktionär aufgestiegen. Welche Ziele die HNA Group mit dem Investment verfolgt, war bislang unklar. Jetzt zeigt sich: Alle Fäden laufen bei Michele Faissola, dem ehemaligen Chef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, zusammen.

Strippenzieher Faissola

Faissola musste im Jahr 2015 gehen, als der neue Vorstandsvorsitzende John Cryan einen Großteil der Führungsriege austauschte. Der damalige Vorstand der Vermögensverwaltung galt neben dem ehemaligen Vorstandschef Anshuman Jain als einer der Verantwortlichen für die Probleme der Deutschen Bank. Doch bereits ein Jahr später, 2016, war Faissola wieder zurück: Seitdem berät er die Herrscherfamilie von Katar und empfahl ihr, ihren Anteil an der Deutschen Bank auf knapp zehn Prozent aufzustocken. Laut Manager Magazin wollte Katar eigentlich arabische Staatsfonds mit an Bord holen, um den eigenen Einfluss auszubauen. Denn die Anlage in die Deutsche Bank zahlte sich zunächst nicht aus. Faissola fand zudem die HNA Group als weiteren Investor.

Faisollas Spiel im Hintergrund könnte nun allerdings juristische Folgen haben, denn Katar und HNA könnten ein Stimmrechtsbündnis geschlossen haben. Rechtlich sind solche Allianzen nur zulässig, wenn die Aufsicht darüber informiert wird und ihren Segen gibt. Geschehen ist das offenbar nicht. Die Anwaltskanzlei BayerLaw bereitet deshalb jetzt eine Klage vor.

Alles im Lot

Für die Kleinaktionäre der Deutschen Bank ist der Einstieg der HNA positiv, auch wenn die Hintergründe jetzt wohl erst geklärt werden müssen. Denn die Großaktionäre schauen dem Management zukünftig auf die Finger und achten auf einen zügigen Umbau der Bank. Anleger sollten deshalb weiter zugreifen, zumal das KGV für das kommende Jahr auf nur 10 geschätzt wird. Das Kursziel des AKTIONÄR liegt bei 25 Euro. Ein Stopp sollte bei 14 Euro platziert werden.