Ungeachtet der geopolitischen Krisenherde könnte die überwiegend positiv aufgenommene Berichtssaison der DAX-Konzern auch in der neuen Woche Rückenwind verleihen. Sinkende Ölpreise und starke Quartalszahlen der Tech-Riesen haben zuletzt das Vertrauen der Anleger in die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz gestärkt.
Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex gut zwei Stunden vor Xetra-Handelsbeginn ein Prozent höher auf 25.895 Punkten und damit nur wenige Zähler unter dem bisherigen Rekordstand von 25.900 Zählern Anfang Juli. Der DAX näherte sich bereits vor dem Wochenende bis auf wenige Punkte seinem Anfang Juli erreichten Hoch. "Eine Flut überwiegend positiver Quartalszahlen sorgt derzeit für Rückenwind und überlagert die geopolitischen Sorgen zumindest vorübergehend. Die Berichtssaison könnte den Märkten eine neue Navigationsroute weisen und den Investoren den zuletzt verloren geglaubten Kompass zurückgeben", glaubt Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.
Der Iran-Krieg bleibe jedoch ein Unsicherheitsfaktor, der jederzeit für neue Nervosität sorgen könne, betonte Emden. Deshalb dürfte die "Gratwanderung zwischen Gewinnoptimismus und Risikobewusstsein den Handel weiter prägen". Der Weg zu neuen Rekordständen sei entsprechend schmal.
Für Daniela Hathorn, Marktanalystin bei der Handelsplattform capital.com, zeigt die laufende Berichtssaison erneut, "dass Anleger Unternehmen belohnen, die KI-Investitionen in greifbares Wachstum umwandeln können. Gleichzeitig bleiben sie bei steigenden Investitionsausgaben ohne klar erkennbare Rendite skeptisch".
Nach Einschätzung des Aktienstrategen Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist die aktuelle Bewertung trotz der anhaltenden Diskussion über eine mögliche KI-Blase nicht das eigentliche Problem. Selbst Halbleiterwerte bewegten sich dank hoher Gewinne lediglich auf einem durchschnittlichen Bewertungsniveau. Zweifel bestünden vielmehr an der Nachhaltigkeit dieser Gewinne, wenn man die Zyklizität der Branche und die Erfahrungen aus früheren Megatrends berücksichtige.
Ob die Hoffnungen auf eine weiterhin starke Berichtssaison berechtigt sind, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Allein aus dem 40 Werte umfassenden deutschen Leitindex DAX legen rund die Hälfte der Unternehmen ihre Quartalszahlen vor. Am Dienstag berichten Bayer, Continental, FMC und Zalando.
Am Mittwoch folgen Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon und Beiersdorf. Für Donnerstag stehen die Geschäftszahlen von Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA und Siemens auf dem Programm. Den Abschluss bilden am Freitag Allianz, Daimler Truck und Munich Re.
Begleitet wird die Zahlenflut von wichtigen Konjunkturdaten. Laut Helaba-Expertin Claudia Windt könnten die neuen Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und Europa zeigen, "ob die solide Grundstimmung auch zu Beginn des dritten Quartals noch trägt". Zudem könnten aktuelle Produktions- und Auftragseingangsdaten aus Deutschland Hinweise darauf liefern, "ob sich eine Belebung der Industrie in den harten Zahlen niederschlägt". In den USA richtet sich der Blick auf den monatlichen Arbeitsmarktbericht.
Zuletzt konnte der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft offenbar nicht ausbremsen. Mit einem Wachstum von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielte die heimische Wirtschaft den stärksten Zuwachs seit dreieinhalb Jahren, erklärte Analyst Sascha Rehbein von der Weberbank. "Die Wachstumsdynamik hat sich in den letzten vier Quartalen sukzessive verbessert, und auch der Ausblick bleibt aus unserer Sicht vorsichtig optimistisch."
Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, besteht nach den jüngsten Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone für die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf. "Ob die europäischen Währungshüter auf ihrer nächsten Sitzung im September den Zins anheben werden, darf infrage gestellt werden." Möglich sei auch, dass die EZB zunächst abwartet und den Leitzins erst im Dezember um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
Am Wochenende erklärte US-Präsident Donald Trump, er habe wegen angeblicher Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen um eine Einigung mit dem Iran eine neue Angriffswelle des US-Militärs vorerst gestoppt. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass zeitnah eine Einigung erzielt werde, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
DER AKTIONÄR wird im Laufe des Tages über sämtliche wichtigen Entwicklungen und Neuigkeiten an den nationalen und internationalen Märkten berichten.
Enthält Material von dpa-AFX
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