Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch hat der deutsche Aktienmarkt zugelegt. Die erwartete Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gilt an den Finanzmärkten bereits als weitgehend berücksichtigt. Unterstützung kam zudem von den nachgebenden Ölpreisen. Der DAX gewann 0,53 Prozent und schloss bei 25.537,75 Punkten.
Der MDAX rückte um 0,45 Prozent auf 31.276,77 Zähler vor. Eine Lösung der Konflikte im Nahen Osten ist zwar weiterhin nicht absehbar, doch US-Energieminister Chris Wright stellte eine baldige Wiederaufnahme des Betriebs einer wichtigen saudischen Ölpipeline in Aussicht.
Im Mittelpunkt stand die Fed unter ihrem Vorsitzenden Kevin Warsh. Die zuletzt überraschend hohe Kerninflation – also die Teuerung ohne die besonders schwankungsanfälligen Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel – hatte die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik verstärkt. "Ob Kevin Warsh unbehelligt oder mit verbalen Blessuren vom Weißen Haus aus der Pressekonferenz heraustreten wird, das ist die eigentlich spannende Frage", kommentierte die Landesbank NordLB. US-Präsident Donald Trump hatte sich wiederholt für niedrigere Zinsen ausgesprochen.
Gefragt waren am Mittwoch zahlreiche Aktien, die vom Ausbau künstlicher Intelligenz profitieren könnten. Dazu zählen neben Halbleiterherstellern auch deren Zulieferer, Anbieter von Elektro- und Energietechnik sowie Bauunternehmen, die Rechenzentren errichten. Zu Wochenbeginn hatten Sorgen über mögliche Sicherheitsrisiken und eine zu schnelle Entwicklung der KI-Technologie noch für deutliche Kursverluste gesorgt.
Die Bank of America äußerte sich nun grundsätzlich zuversichtlich für den Halbleitersektor. Wegen des anhaltenden Branchenaufschwungs hob sie ihre Prognose für das weltweite Marktvolumen im Jahr 2030 auf 3,2 Billionen US-Dollar an. Als Gründe nannten die Analysten unter anderem das erwartete Wachstum bei Speicherchips und Rechenzentren sowie eine Erholung der industriellen Nachfrage.
Infineon, Hochtief und Siemens Energy legten bis zu 3,1 Prozent zu. Im MDAX gewannen Aixtron, Siltronic, Jenoptik und Suss MicroTec zwischen 2,6 und 4 Prozent.
Unter Druck standen dagegen die Aktien der Autohersteller. In einer Studie bewertete Romain Gourvil von der Privatbank Berenberg die Aussichten für Europas Automobilbranche weiterhin zurückhaltend. Belastend wirkten unter anderem die Geschäfte in China, geopolitische Unsicherheiten und der anhaltende Inflationsdruck. Diese Faktoren könnten die Ertragsaussichten eintrüben, Überkapazitäten verlängern und den Wettbewerb verschärfen. Statt weiter sinkender Gewinnprognosen rückten nun zunehmend Regulierung, Kostensenkungen und die Attraktivität neuer Produkte in den Vordergrund.
Die Volkswagen-Vorzugsaktien verloren 2,6 Prozent. Mercedes-Benz gaben ebenfalls 2,6 Prozent nach. Auch BMW konnten sich dem Branchentrend trotz einer Kaufempfehlung von Berenberg nicht entziehen und büßten 1,2 Prozent ein.
Enthält Material von dpa-AFX
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