13.02.2020 Markus Bußler

Gold: Das große Rätsel

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PRETIUM RESOURCES
Trendthema

Als ich mich gestern auf den Weg machte, die Sendung aufzuzeichnen, liefen die Zahlen von Pretium Resources über den Ticker. 18 Cent Gewinn im vierten Quartal. Stark. Immerhin waren das fünf Cent mehr, als Analysten erwartet hatten. Ungewöhnlich ist das nicht, da Pretium in der Vergangenheit bereits mehrfach überrascht hat – sowohl positiv als auch negativ. Doch was die erste Schlagzeile nicht verraten hat: Pretium senkt die Prognose für das laufende Geschäftsjahr unerwartet. Statt den erwarteten 500.000 Unzen sollen es nun nur rund 350.000 Unzen sein. Die Aktie verlor deutlich.

In der Sendung sagte ich: Pretium ist eine Blackbox und ich hätte keine Meinung zu der Aktie. Das soll man nie sagen. Eigentlich muss man immer eine Meinung haben. Doch wenn Sie sich in Vancouver mit drei Geologen unterhalten, werden Sie vermutlich vier Meinungen zu Pretium bekommen. Das Projekt ist geologisch eine riesige Herausforderung. Und ob das geologische Modell auf dem letztlich der Minenplan basiert, standhält oder nicht ist höchst umstritten. Durch den Nuggeteffekt verfälschte Bohrergebnisse würden die Verlässlichkeit der Ressource deutlich erschweren, sagen die Kritiker. Und die Kritiker sind nicht wenige. Das hat man in den vergangenen Quartalen auch immer wieder gesehen. Der Goldgehalt des Erzes schwankt stark. Mittlerweile hat man ein spezielles Programm entwickelt, das den Goldgehalt präziser vorhersagen soll. Doch auch das scheint bisweilen an seine Grenzen zu kommen.

Vielleicht wird Pretium noch zu der erhofften Erfolgsstory, vielleicht muss man aber auch das komplette geologische Modell früher oder später überarbeiten. Ganz ehrlich: Ich wage keine Prognose. Aber sehen Sie sich das Ganze einmal von einer anderen Seite: Brucejack ist eine Mine, die das Potenzial hat, 500.000 Unzen jährlich zu produzieren. Und das nicht etwa in Afrika, sondern in Kanada. Ein Tier 1 Asset – zumindest in Sachen Produktion. Das Ganze Unternehmen kostet an der Börse 1,4 Millionen Dollar. Zwar nichts, was man aus der Portokasse zahlt. Aber Detour Gold beispielsweise war teurer gewesen. Warum also schnappt sich keiner der großen Goldproduzenten diese Mine? Schließlich sind alle auf der Suche nach großen Projekten in sicheren Ländern?

PRETIUM RESOURCES (WKN: A1H4B5)

Pretium ist und bleibt die Blackbox der Goldbranche. Persönlich wünsche ich mir, dass sich die Story zum Guten entwickelt. Die Gold-Branche braucht Erfolgsgeschichten. Doch investieren würde ich auch nach einem solchen Rutsch wie gestern von minus 20 Prozent nicht. Es gibt schlicht und ergreifend zu viele gute Aktien in der Branche, bei denen die Visbilität höher und das Risiko niedriger ist.