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15.03.2021 Fabian Strebin

Commerzbank: Jetzt droht ein Kuhhandel beim Konzernumbau - Aktie schwächelt weiter

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Commerzbank

Die Commerzbank hat vor wenigen Wochen im Februar eine weitere Sanierung begonnen. Grundsätzlich handelt es sich um ein Kostensenkungsprogramm, rund 7.500 Stellen sollen netto gestrichen werden. Beim Kapitalmarkttag der Bank am 11. Februar verbreitete CEO Manfred Knof noch Zuversicht: Man wolle sich bis zur Hauptversammlung am 5. Mai mit den Gewerkschaften über ein konkretes Vorgehen einigen. Doch die Verhandlungen kommen nicht voran.

Alleine die Einschränkungen durch die Pandemie sollen Gespräche erschweren, so die Börsen-Zeitung. Da sich die Verantwortlichen aus dem Vorstand und der Arbeitnehmervertreter nicht persönlich treffen könnten, würden die Verhandlungen über Videokonferenzen stattfinden. Teilnehmer berichten, dass man sich in unwichtigen Details verliere. Geprüft wird anscheinend eine Transfergesellschaft, die über Fortbildungsangebote die Arbeitsmarktchancen erhöhen soll. Meistens sind diese Konstruktionen auf zwei Jahre angelegt, bevor die Teilnehmer ausscheiden.

Verdi schlägt andere Lösung vor

Die Gewerkschaft Verdi hat allerdings andere Vorstellungen für den Jobabbau: Aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Commerzbanker soll ein Altersteilzeitprogramm eingeführt werden, um einen Großteil der 7.500 Stellen zu reduzieren. Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann spricht von einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren, bei vorherigen Programmen der Bank hatte man sich auf acht Jahre geeinigt.

Rückstellungen statt Entlassungen

Aber verfehlt die Commerzbank dann nicht ihre Sparziele bis 2024, wenn sich das Altersteilzeitprogramm so lange hinzieht? Wittmann argumentiert damit, dass bereits zeitnah Rückstellungen für die betreffenden Mitarbeiter gebildet werden könnten und es dann Planungssicherheit für den Vorstand und Investoren gebe.

Bewährtes Mittel

Je nach Ausgestaltung derartiger Programme könnte die Commerzbank ihre Ziele teilweise erreichen. Das würde aber einmal mehr zeigen, dass das Geldhaus beim Personalabbau nicht sehr ambitioniert ist. In den letzten Jahren kamen Sanierungsprogramme häufiger deshalb ohne betriebsbedingte Kündigungen aus, da die Commerzbank auf Altersteilzeitprogramme oder die natürliche Fluktuation setzte. Es wurden also einfach weniger Mitarbeiter eingestellt als in Rente gingen.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Nach ihrem Höhenflug Richtung 6,00 Euro ist die Aktie wieder unter den Widerstand bei 5,55 Euro gerutscht. Anleger brauchen weiterhin Geduld. Die Chartentwicklung zeigt auch, wie sensibel der Wert auf Änderungen der Zinsen reagiert. Ein weiterer Anstieg der Staatsanleiherenditen in der Eurozone dürfte durch die Interventionen der EZB jedoch vorerst gestoppt sein, die Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen wieder und drücken auf die Stimmung.

Investierte Anleger bleiben dabei und beachten den Stopp bei 4,00 Euro.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.

Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß § 85 WpHG: Aktien von Commerzbank befinden sich im Aktionär-Depot von DER AKTIONÄR.

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