US‑Geldpolitik: Das FOMC‑Protokoll ist da

US‑Geldpolitik: Das FOMC‑Protokoll ist da
Foto: MDart10/Shutterstock
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Jan-Paul Fóri Heute, 20:05 Jan-Paul Fóri

Die Fed hat am Abend das Protokoll (Minutes) der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) veröffentlicht. Dieses zeigt: Es droht ein Zins-Schock. Plötzlich ist die Furcht vor einer unkontrollierten Inflation ist zurück – und mit ihr das Schreckgespenst weiterer Zinserhöhungen.

• Das veröffentlichte FOMC-Protokoll zeigt eine ungewöhnlich tiefe Spaltung innerhalb der US-Notenbank.

• Mehrere Fed-Vertreter wollen sich weitere Zinserhöhungen offenhalten, da die Sorge vor erneut steigender Inflation wächst.

• Die Märkte reagieren zwar zunächst ruhig, doch dauerhaft hohe oder steigende Zinsen könnten die Börsen massiv belasten.

Brisant: Mehrheit der Fed-Mitglieder stellt sich gegen Zinssenkungen. Stattdessen droht wegen des Iran-Kriegs eine erneute Straffung. Auf den neuen Chef kommt eine Zerreißprobe zu.

Wer nach der jüngsten Fed-Sitzung auf baldige Zinssenkungen spekuliert hatte, wird bitter enttäuscht. Das am Mittwochabend veröffentlichte Protokoll (Minutes) der Federal Reserve offenbart eine historisch tiefe Spaltung innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC). Die Furcht vor einer unkontrollierten Inflation ist zurück – und mit ihr das Schreckgespenst weiterer Zinserhöhungen.

Historische Spaltung

Zwar stimmte das Gremium formell dafür, den Leitzins vorerst in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig: Gleich vier FOMC-Mitglieder stimmten mit „Nein“ – die höchste Anzahl an Gegenstimmen seit fast 35 Jahren! Drei regionale Notenbank-Präsidenten forderten vehement, sich alle Optionen für Zinserhöhungen offenzuhalten.

Der Streitpunk laut dem Protokoll: Die im Statement verankerte Formulierung von „zusätzlichen Anpassungen“ (additional adjustments), was an den Märkten bisher unisono als Signal für anstehende Senkungen interpretiert wurde. Eine breite Phalanx von Notenbankern („many participants“) wollte diese Formulierung am liebsten sofort streichen. Da „viele“ in der Fed-Sprache jedoch keine absolute Mehrheit bedeutet, blieb der Satz vorerst drin – ein wackeliger Kompromiss auf Zeit.

Zerreißprobe für den neuen Chef Kevin Warsh

Die Veröffentlichung fällt in eine höchst brisante Übergangsphase. Es war die letzte Sitzung unter dem Vorsitz von Jerome Powell. Nach einem monatelangen Posten-Schachern mit elf Kandidaten übernahm nun der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh das Ruder.

Warsh steht jedoch sofort unter Druck. US-Präsident Donald Trump hat ihn explizit mit der Erwartung ernannt, die Zinsen kräftig zu senken. Doch die nackten Wirtschaftsdaten und die Fed-Mitglieder sprechen eine völlig andere Sprache. Das schlägt sich auch in den Erwartungen der Wall Street nieder: Die Märkte signalisieren längst eine steigende Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung Ende 2026 oder Anfang 2027.

Die Wall Street reagiert zunächst gelassen auf die Fed-Minutes. Doch die Botschaft im Hintergrund ist klar: Kühlt die Inflation nicht ab, drohen vermutlich harte Zinsschritte. Für die Börsen wären steigende Zinsen jedoch Gift, da Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen dann weniger attraktiv werden. DER AKTIONÄR behält die Entwicklungen im Auge.

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FAQs

1. Was ist die Fed?

Die Federal Reserve (Fed) ist die Zentralbank der USA und wurde 1913 gegründet.

2. Was macht die Fed?

Die Fed steuert die Geldpolitik vor allem über den Leitzins, um Inflation und Arbeitsmarkt zu beeinflussen.

3. Was macht das FOMC?

Das FOMC (Federal Open Market Committee) entscheidet regelmäßig über Zinsschritte und geldpolitische Maßnahmen.

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