25.08.2018 Andreas Deutsch

Börsenprofi Robert Halver: Der DAX ist krisenerprobt

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DAX

Während sich die US-Börsen in guter Verfassung zeigen, sind die Anleger in Deutschland nervös. DER AKTIONÄR im Gespräch mit Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

DER AKTIONÄR: Herr Halver, wie geht es mit dem DAX weiter? Müssen wir uns Sorgen machen?

ROBERT HALVER: Mittlerweile ist der DAX krisenerprobt. Selbst 200 Milliarden Euro Kreditvolumen, das europäische Banken im türkischen Schulden-Feuer stehen haben, wird keine Aktienkrise auslösen. Nach zehn Jahren der Rettung Europas vor jeder Finanzkrise wird die EZB jetzt nicht die Hände in den Schoß legen. Damit hat sich auch die Zinserhöhungsangst für Aktien erledigt. Aufgrund der aktuellen Polit-Entspannung zwischen EU und Amerika ist ebenso mit einer Beilegung des transatlantischen Handelskonflikts. Nach der Sommerpause sollten (Export-)Aktien allmählich wieder Fahrt aufnehmen und den DAX bis Jahresende auf 13.300 treiben.

Welche Branche wird derzeit völlig unterschätzt?

Das Thema Digitalisierung braucht den Vergleich mit der Erfindung der Dampfmaschine nicht zu scheuen. Auch deutsche Technologietitel aus der zweiten Reihe decken zukunftsträchtige Wachstumsbereiche ab und profitieren insofern von Übernahmefantasie. Doch trennt sich die Spreu vom Weizen: Aufgrund ihrer hohen Bewertung verlangen Anleger von Tech- und Social Media-Aktien Zukunftsvisionen und datenrechtliche Sauberkeit. Ein Ausruhen auf Lorbeeren wie früher bei Nokia wird abgestraft.  

Von welchen Aktien sollte man bloß die Finger lassen?

Stark gefallene Aktien in den Schwellenländern sind keine Kaufgelegenheit per se. Nur substanzstarke Titel aus Emerging Markets mit Export- beziehungsweise Leistungsbilanzüberschüsse, die zudem ihre volkswirtschaftlichen Reformhausaufgaben erledigen, haben Aufholpotenzial.

Vielen Dank für das Interview.

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