7 Geheimtipps mit Highflyer-Potenzial!
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04.03.2021 Thorsten Küfner

BASF-Finanzchef Engel im Interview: "Stark gestiegene Nachfrage"

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BASF

BASF hat in der Vorwoche seine Ergebnisse für das stark von Corona geprägte Jahr 2020 vorgelegt und einen Ausblick auf 2021 gegeben (mehr dazu lesen Sie hier). DER AKTIONÄR sprach im Rahmen dessen mit dem langjährigen Finanzvorstand des weltgrößten Chemiekonzerns, Dr. Hans-Ulrich Engel, über aktuelle Entwicklungen in der Chemiebranche, die Aussichten für den DAX-Konzern und - natürlich - die Dividende. 

DER AKTIONÄR: Erwarten Sie, dass die Wirtschaft in ihrem wichtigen Absatzmarkt China wieder zu alter Stärke zurückfindet und in welchen Bereichen würde BASF davon am stärksten profitieren? In welchen anderen Regionen rechnen Sie in den kommenden Monaten auch mit einer deutlichen Erholung der Nachfrage?

Dr. Hans-Ulrich Engel: Wir haben bereits im 4. Quartal des letzten Jahres den Absatz im Vergleich zum Vorjahresquartal in allen Regionen und in fast allen Segmenten gesteigert. In einigen Produktlinien, zum Beispiel bei Isocyanaten, konnten wir auch unsere Margen deutlich ausweiten.

Im vierten Quartal 2020 stieg die weltweite Chemieproduktion um 4,9 Prozent – vor allem aufgrund des Wachstums in China. Die starke Erholung begann dort bereits im zweiten Quartal. Auch Europa und Nordamerika erlebten in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Erholung der Chemieproduktion.

China hatte als einzige große Volkswirtschaft 2020 ein GDP Wachstum. Die chinesische Wirtschaft wuchs mit 2,3%. Unser Geschäft in Greater China hat sich im weltweiten Vergleich am schnellsten von den Folgen der Corona-Pandemie erholt. Seit April 2020 haben wir dort ein zweistelliges Mengenwachstum. Die BASF konnte von ihrer starken Position in China profitieren. Der geplante Verbundstandort in der Provinz Guangdong wird unsere Präsenz und Kundennähe in dem dynamisch wachsenden chinesischen Markt weiter erhöhen.

Wir erwarten, dass sich die Weltwirtschaft im Jahr 2021 von dem starken Einbruch infolge der Corona-Pandemie mit einem Rückgang des globalen GDP um -3,7% allmählich erholen wird. Wir nehmen insoweit an, dass das globale BIP um 4,3 % wachsen wird. Das globale Bruttoinlandsprodukt wird so das Vorkrisenniveau in etwa wieder erreichen. Die regionalen Unterschiede werden aber vermutlich beträchtlich sein: Während wir für die asiatischen Schwellenländer von ein hohes Wachstum sehen, wird die Dynamik in Europa, den USA und in Japan voraussichtlich zunächst gedämpft bleiben. Die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung sind insgesamt außergewöhnlich hoch.


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Dr. Hans-Ulrich Engel ist bereits seit 2011 Finanzvorstand des Chemieriesen BASF.

Für welche Produkte beziehungsweise in welchen Sparten sehen Sie aktuell die größten Wachstumspotenziale?

Wir erwarten, dass 2021 alle unsere Abnehmerindustrien wachsen werden. Besonders für die Automobilindustrie prognostizieren wir ein deutliches Produktionswachstum im zweistelligen Prozentbereich gegenüber 2020. Für die globale Chemieproduktion erwarten wir mit 4,4 Prozent ebenfalls ein starkes Wachstum.

Wir rechnen vor allem mit deutlich höheren Ergebnisbeiträgen unserer Segmente Materials, Chemicals und Surface Technologies. Die Segmente Agricultural Solutions und Nutrition & Care werden das Ergebnis voraussichtlich leicht steigern.

Immer wieder war in den vergangenen Monaten von Überkapazitäten etwa bei der TDI-Produktion zu lesen. Bestehen diese aktuell immer noch oder hat sich die Lage hier mittlerweile verbessert?

Seit dem Spätsommer 2020 sehen wir eine stark gestiegene Nachfrage nach Isocyanaten, TDI sowie vor allem auch MDI, aus verschiedenen Industrien. Gleichzeitig ist die Supply Seite aufgrund von geplanten und ungeplanten Anlagenabstellungen und logistischen Engpässen infolge des Anziehens der Weltwirtschaft angespannt. Hinzu kommt jetzt ein Wintereinbruch an der US-Golfküste, der dort Produktionskapazität vorübergehend lahmgelegt hat. Der Markt für Isocyanate ist deshalb z.Zt. eher knapp.

BASF (WKN: BASF11)

Und gibt es auch Bereiche/Regionen bzw. Entwicklungen, die Ihnen derzeit Sorgen bereiten?

Die Corona-Pandemie und deren Bewältigung bleibt, wie in fast allen Lebensbereichen, das vordringlichste Thema. Sie hat andere Themen, z.B. geopolitische wie die Auseinandersetzung zwischen den USA und China, die Syrien- oder die Irankrise in den Hintergrund gedrängt. Insgesamt erwarten wir aber für das Jahr 2021, dass sich die Weltwirtschaft von dem starken Einbruch im Vorjahr erholen wird. Allerdings bleiben die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung außergewöhnlich hoch. Wir müssen z.B. das Risiko von pandemiebedingten Einschränkungen in den globalen Lieferketten sowie mögliche damit verbundene negative Effekte auf die Weltwirtschaft im Blick behalten.

BASF
BASF Dividenden-Entwicklung

Die BASF-Aktie ist bei unseren Lesern auch wegen der hohen und stetig steigenden Dividende sehr beliebt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass es auch zukünftig weiterhin Steigerungen von 0,10 Euro pro Jahr gibt?

Trotz der Pandemie haben wir im Jahr 2020 einen soliden Cashflow erzielt, und BASF hat sich erneut als widerstandsfähig erwiesen. Eine verlässliche Dividendenzahlung hat für den BASF-Vorstand Priorität, auch in schwierigen Zeiten. Deshalb werden wir der Hauptversammlung eine Dividende von 3,30 Euro je Aktie vorschlagen. Insgesamt planen wir damit wie im Vorjahr 3 Milliarden Euro an unsere Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten. Auf Basis des Jahresschlusskurses von 64,72 Euro würde die BASF somit wieder eine hohe Dividendenrendite von 5,1 Prozent bieten. Und auch künftig soll die BASF-Dividende für unsere Aktionärinnen und Aktionäre attraktiv bleiben.


DER AKTIONÄR bleibt für die Dividendenperle BASF nach wie vor zuversichtlich gestimmt. Anleger können beim DAX-Titel weiterhin zugreifen. Der Stoppkurs sollte bei 54,00 Euro belassen werden.