Die Alphabet-Tocher Google investiert in das japanische KI-Start-up Sakana AI. Der Schritt zielt nicht auf Forschung, sondern auf Anteile in einem schwer zugänglichen, milliardenschweren Markt. Warum Alphabet dafür lokale Partner braucht – und wie weit OpenAI dort bereits voraus ist.
Während ChatGPT in vielen Unternehmen zur Standardlösung für generative KI geworden ist, kommt Googles Gemini im Arbeitsalltag großer Firmen langsamer voran. Japan ist dafür ein gutes Beispiel. Das Land will den KI-Einsatz beschleunigen, doch Entscheidungswege sind lang, Risikoabwägungen streng. Alphabet setzt nun auf einen Faktor, der dort oft entscheidet: einen lokalen Partner mit belastbaren Referenzen.
Google ist dem Investorenkreis von Sakana AI beigetreten. Das Start-up wurde 2023 in Tokio gegründet. Die Höhe des Investments blieb offen. Der Rahmen ist bekannt. In der Series-B-Runde sammelte Sakana rund 135 Millionen Dollar ein, die Bewertung lag bei etwa 2,6 Milliarden Dollar. Zu den Geldgebern zählt unter anderem Mitsubishi UFJ Financial Group.
Alphabet kauft sich damit keine neue Basistechnologie. Eigene Modelle sind vorhanden. Der Wert liegt im Zugang. Sakana hat sich in Japans Finanzbranche positioniert und arbeitet mit MUFG, Japans größter Bankengruppe, sowie Daiwa Securities, einem der führenden Brokerhäuser des Landes, an KI-Anwendungen. In einem Umfeld, in dem Datenschutz, Haftung und Prozessstabilität über den Einsatz entscheiden, sind solche Kundenbeziehungen oft die Voraussetzung für größere Einführungen.
Sakana profitiert im Gegenzug von Alphabets Modellpalette. Gründer und Vorstandschef David Ha erklärte, dass der Zugang zu weiteren Foundation-Modellen die Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte erhöht und die Zuverlässigkeit in kritischen Anwendungen verbessert.
Hinzu kommt ein politischer Faktor. Japan fördert KI, die auf der eigenen Sprache und Infrastruktur basiert. Sakana erhielt früh staatliche Unterstützung und will 2026 enger mit dem Verteidigungsministerium und weiteren Behörden arbeiten. Bei einzelnen Projekten sind ausländische Modelle nicht zugelassen.
Konkurrenz schläft nicht
Der Schritt ist auch eine Reaktion auf die Konkurrenz. OpenAI hat gemeinsam mit SoftBank das Joint Venture SB OAI Japan gegründet, offiziell gestartet am 5. November 2025. Ziel ist der Vertrieb und die Anpassung von OpenAI-Technologie für japanische Unternehmenskunden. SoftBank will dafür laut eigenen Angaben jährlich drei Milliarden Dollar in die Einführung investieren.
Auch bei der Nutzung liegt ChatGPT vorn. Similarweb weist für Januar 2026 beim weltweiten Web-Traffic von KI-Chatbot-Websites rund 64 Prozent Anteil für ChatGPT aus. Gemini kam auf etwa 21 Prozent.
Das Investment in Sakana AI ist klein, aber strategisch klar. Alphabet will Gemini in Japan über einen Partner platzieren, der bei Banken und Behörden bereits Vertrauen genießt. Lokale Referenzen entscheiden dort über Aufträge. Sakana dient als Türöffner. Investierte Anleger bleiben an Bord.
Heute, 09:16