Die Aktien von ServiceNow rutschten im nachbörslichen Handel deutlich ab. Der Spezialist für Unternehmenssoftware enttäuschte die Anleger mit einer Wachstumsdelle und verfehlte die hohen Erwartungen des Marktes. Der Grund: Mehrere Großaufträge verzögern sich aufgrund des anhaltenden Krieges im Nahen Osten.
Im ersten Quartal stieg der Umsatz mit Abonnements um 22 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar. Damit lag das Unternehmen zwar im Rahmen der Analystenschätzungen, blieb aber hinter dem eigenen Potenzial zurück. Laut offiziellen Angaben hätte die Wachstumsrate knapp einen Prozentpunkt höher gelegen, wären mehrere Abschlüsse im Nahen Osten nicht ins Stocken geraten. Betroffen sind vor allem umfangreiche Software-Installationen vor Ort, sogenannte On-Premise-Deals.
Die Reaktion an der Börse fiel drastisch aus. Nach einem Schlusskurs von 103,07 Dollar in New York sackte das Papier nachbörslich um rund 13 Prozent ab. Damit setzt sich eine negative Dynamik fort, die bereits seit Jahresbeginn anhält. Während der Sektor im vergangenen Jahr noch haussierte, haben ServiceNow-Papiere in diesem Jahr bereits 33 Prozent an Wert verloren.
Der Schatten der Künstlichen Intelligenz
Hinter dem Kurssturz steckt mehr als nur eine regionale Verzögerung. Große Software-Häuser wie ServiceNow kämpfen derzeit mit einer massiven Skepsis der Wall Street. Investoren zweifeln daran, wie gut sich die etablierten Geschäftsmodelle im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz behaupten können. ServiceNow teilt dieses Schicksal mit Branchenriesen wie Salesforce oder Workday, die ebenfalls unter Druck stehen.
Konzernchef Bill McDermott versucht, die Erzählung zu drehen. Während einer Analystenkonferenz hob er das Ziel für den jährlichen Auftragswert im Bereich KI deutlich an. Statt der ursprünglich geplanten eine Milliarde Dollar peilt das Unternehmen nun 1,5 Milliarden Dollar an. Auch die Kundenbasis für Großaufträge wächst: ServiceNow zählt mittlerweile 630 Kunden, die jährlich mehr als fünf Millionen Dollar für die Software bezahlen.
Milliarden-Zukauf als Hoffnungsträger
Trotz der aktuellen Zurückhaltung bei IT-Ausgaben investiert das Unternehmen massiv in die Zukunft. Erst vor wenigen Tagen schloss ServiceNow die Übernahme des Cybersicherheits-Startups Armis ab. Mit einem Kaufpreis von 7,75 Milliarden Dollar ist es die größte Akquisition in der Firmengeschichte. Der Zukauf soll das Umsatzwachstum in diesem Jahr um etwa 1,25 Prozentpunkte ankurbeln, wird jedoch die operativen Margen kurzfristig belasten.
Die Prognose für das laufende Quartal bleibt derweil vorsichtig optimistisch. Das Unternehmen erwartet einen Abo-Umsatz von rund 3,82 Milliarden Dollar, was einem Plus von 23 Prozent entspricht. Experten wie Anurag Rana von Bloomberg Intelligence sehen dennoch Warnsignale. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich das Ausgabeverhalten der Unternehmen eintrübt und Abschlüsse länger dauern als geplant.
ServiceNow liefert solide Zahlen, kämpft aber an zwei Fronten gleichzeitig. Einerseits bremsen geopolitische Krisen das operative Geschäft, andererseits lastet die Unsicherheit über die Rolle der Künstlichen Intelligenz schwer auf dem Aktienkurs. Der teure Zukauf von Armis zeigt zwar den Expansionswillen, doch solange die Zweifel an der langfristigen Marktführerschaft im KI-Sektor überwiegen, bleibt die Aktie ein volatiles Investment.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der ServiceNow befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 07:56