GameStop setzt beim Chef alles auf eine Karte. CEO Ryan Cohen erhält Optionen auf 171,5 Millionen Aktien, aber nur wenn der Börsenwert auf 100 Milliarden Dollar steigt und zehn Milliarden Dollar EBITDA zusammenkommen. Das Modell erinnert an Tesla. Für Anleger zählt jetzt die nüchterne Rechnung.
GameStop sorgt zur Wochenmitte wieder für Schlagzeilen. Der Videospielhändler koppelt die Vergütung von CEO Ryan Cohen an ein Ziel, das selbst an der Wall Street Seltenheitswert hat: 100 Milliarden Dollar Börsenwert oder kein Ertrag aus dem Programm. Die Aktie schloss am Dienstag bei 20,66 Dollar. Vorbörslich ging es am Mittwoch zeitweise um rund drei Prozent nach oben.
Kern des Pakets sind Optionen auf 171,5 Millionen Aktien mit einem Ausübungspreis von 20,66 Dollar. Ein fixes Gehalt, Barbonuszahlungen oder zeitabhängig zugeteilte Aktien gibt es nicht. Die Vergütung hängt vollständig an messbaren Hürden. Das Programm ist in neun Tranchen gestaffelt. Der volle Anspruch entsteht erst bei 100 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung und zehn Milliarden Dollar kumuliertem EBITDA.
Wie ambitioniert das Konstrukt ist, zeigt bereits die erste Stufe. Für zehn Prozent der Optionen braucht es 20 Milliarden Dollar Börsenwert und 2,0 Milliarden Dollar kumuliertes EBITDA. Jede weitere Tranche verlangt jeweils zehn Milliarden Dollar mehr Marktkapitalisierung und eine Milliarde Dollar zusätzliches EBITDA. Die letzten beiden Tranchen umfassen jeweils 15 Prozent. Die Aktionäre sollen bei einer Sonderversammlung im März oder April 2026 abstimmen. Cohen wird bei der Abstimmung nicht stimmberechtigt sein.
Von den Zielmarken ist GameStop weit entfernt. GameStops bringt aktuell 9,3 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage . Um die erste Tranche zu erreichen, müsste sich die Marktkapitalisierung mehr als verdoppeln. Bis zum Endziel wäre ein Anstieg um gut den Faktor elf nötig.
Operativ ist die Ausgangslage stabiler als noch vor zwei Jahren, bleibt aber weit von den Zielgrößen entfernt. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 erzielte GameStop einen Umsatz von 821,0 Millionen Dollar. Der operative Gewinn lag bei 41,3 Millionen Dollar, der Nettogewinn bei 77,1 Millionen Dollar. Liquide Mittel und marktfähige Wertpapiere summierten sich auf 8,8 Milliarden Dollar. Der Bitcoin-Bestand wurde mit 519,4 Millionen Dollar bewertet.
Für Anleger entscheidend ist, ob aus Kostendisziplin wieder nachhaltiges Wachstum entsteht. Das stationäre Geschäft steht weiter unter Druck, da der Markt seit Jahren in Richtung Downloads und Abomodelle wandert. Ein Börsenwert von 100 Milliarden Dollar setzt entweder ein neues, klar wachsendes Geschäftsmodell oder eine dauerhaft deutlich höhere Profitabilität voraus.
Auch der Kursverlauf liefert keine klare Richtung. Seit dem Einbruch Ende Mai bewegt sich die Aktie in einer Seitwärtsphase zwischen rund 17 und 22 Dollar. Erholungen wurden mehrfach verkauft, neue Tiefs aber ebenfalls vermieden.
Unterm Strich ist das Vergütungsmodell ein Signal maximaler Zielsetzung. Ein belastbarer Beleg für einen realistischen Pfad zu 100 Milliarden Dollar Börsenwert ist es jedoch nicht. Aus Sicht des AKTIONÄR ist die GameStop-Aktie kein Kauf.
07.01.2026, 14:03