Der jüngste Entwurf des Krypto-Gesetzes CLARITY Act hat die Papiere von Krypto-Unternehmen auf Talfahrt geschickt. Besonders den Stablecoin-Herausgeber Circle traf es am Dienstag hart. Der Kurs verlor rund 20 Prozent. Doch der erste Blick auf die Verluste trügt. Analysten halten den Abverkauf bei Circle für stark übertrieben. Der Grund: Die neuen Regeln spielen dem Infrastruktur-Anbieter langfristig in die Karten und senken hohe externe Kosten.
Bislang gibt Circle einen enormen Teil seiner Gewinne ab. Die Krypto-Börse Coinbase streicht über eine Vereinbarung den Großteil der Zinseinnahmen aus dem gemeinsamen Stablecoin USDC ein. In der Praxis zahlt Circle jährlich über 900 Millionen Dollar an die Plattform. Das entspricht rund der Hälfte des gesamten Circle-Umsatzes.
Doch genau diesen Aderlass könnte das neue Gesetz stoppen. Wenn Aufseher renditeähnliche Belohnungen auf Stablecoin-Guthaben einschränken oder verbieten, schwindet die Verhandlungsmacht von Coinbase. Während das Vertriebsmodell der Börse bröckelt, rückt die Kernfunktion von Circle in den Fokus. Entsprechend positiv bewerten Analysten die Lage. Laut Markus Thielen, Gründer von 10x Research, verlagert der neue rechtliche Rahmen den Wert hin zu regulierten Herausgebern mit einer starken Bilanz. Das bringt Circle in eine exzellente Position für die nächste Vertragsverhandlung im August 2026. Circle dürfte dann deutlich bessere Konditionen durchsetzen.
Milliarden-Potenzial durch starkes Wachstum
Auch Matt Hougan, Anlagechef bei Bitwise, sieht den Ausverkauf bei Circle als Übertreibung. Das langfristige Geschäftsmodell bleibt für ihn völlig intakt. Zinsen sind ohnehin nicht der Hauptgrund, warum Nutzer Stablecoins halten. Die Akzeptanz wächst vielmehr rasant, weil USDC es einfach macht, Dollar über Grenzen hinweg zu bewegen und Trades abzuwickeln. Auch ein striktes Verbot von Zinszahlungen ändert nichts an diesem Kernnutzen.
Gleichzeitig steht der Gesamtmarkt vor einem massiven Schub. Prognosen zeigen, dass das Volumen für Stablecoins bis zum Ende des Jahrzehnts auf 1,9 Billionen Dollar steigen könnte. Im besten Fall sind laut Hougan sogar vier Billionen Dollar möglich. Circle ist als streng regulierter Anbieter bestens aufgestellt, um dieses Kapital anzuziehen. Fällt die teure Zinsweitergabe an Partner weg, steigen automatisch die eigenen Gewinnmargen. Hougan hält daher eine Verdreifachung der Unternehmensbewertung auf rund 75 Milliarden Dollar für absolut realistisch.
Der CLARITY Act sorgt bei Circle kurzfristig für rote Vorzeichen, klärt aber langfristig die Fronten. Das Gesetz schwächt die teure Abhängigkeit von Vertriebspartnern wie Coinbase und stärkt Circles Position als regulierter Marktführer. Anleger bleiben an Bord und beachten den Stopp bei 80 Euro.
26.03.2026, 11:00