HAMBURG (dpa-AFX) - Betreiber von Windparks auf See drängen neuerdings auf den Markt für Regelreserve, die Schwankungen von Stromerzeugung und -verbrauch ausgleicht. Nach Einschätzung von Netzbetreibern und Versorgern können Windparks nach einer Qualifizierung zur Stabilität des Stromnetzes beitragen. Die Aufgabe übernehmen üblicherweise Pumpspeicherkraftwerke, Gaskraftwerke und Batteriespeicher. Der Beitrag der Windkraft ist noch verschwindend gering, wie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen.
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, der für das Netz im Nordosten des Landes an der Ostsee zuständig ist, berichtete, es befänden sich mehrere Windparks auf See in der sogenannten Präqualifizierungsphase. Dabei überprüft 50Hertz, ob die Windparks die Anforderungen erfüllen. "Das Interesse, am Regelleistungsmarkt teilzunehmen, steigt", teilte ein Sprecher mit.
Regelreserve ist ein Überbegriff. Regelleistung beschreibt die Vorhaltung von Leistung zur Systemstabilisierung. Regelarbeit ist die aktivierte Energiemenge.
Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der für die Nordsee zuständig ist, teilte mit: "Wir beobachten ein steigendes Interesse von Windparkbetreibern am Regelreservemarkt." Das gelte auch für den Offshoremarkt.
Vattenfall und Trianel vermarkten Regelenergie
Wie es vom Energieversorger Vattenfall heißt, vermarktet das Unternehmen nun erstmals Regelenergie auf hoher See. Der Windpark Veja Mate sei in der Tennet-Zone präqualifiziert worden, teilte der Vermarkter mit. Der Windpark liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Borkum und besteht aus 67 Anlagen.
Im August wurde bekannt, dass der Stadtwerke-Zusammenschluss Trianel den Windpark Borkum I für den Regelenergiemarkt präqualifizieren lassen hat. Die Vermarktung hat laut Trianel im Juli begonnen.
Stillstand kann lukrativ sein
Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) teilte mit: "Die aktuellen Präqualifizierungen deuten darauf hin, dass Offshore-Windparks stärker als Flexibilitätsoption für den Regelenergiemarkt erschlossen werden." Die Windparks könnten vor allem sogenannte negative Regelleistung bereitstellen. Das bedeute, dass sie auf Abruf die Einspeisung reduzierten.
Nach Bewertung von 50Hertz kann es sich für Windparkbetreiber an manchen Tagen lohnen, auf eine Einspeisung zu verzichten, statt geringe Erlöse an Strombörsen zu erzielen. Dazu drehten Betreiber Windräder aus dem Wind und der Stillstand werde als negative Regelleistung vermarktet.
Vergleichsweise schwieriger ist laut Fraunhofer IEE, dass Windparks sogenannte positive Regelleistung bereitstellen. "Positive Regelleistung würde voraussetzen, dass Anlagen vorsorglich gedrosselt werden, um Leistung für einen möglichen Abruf vorzuhalten." Das wäre allerdings eine vermeidbare Abregelung erneuerbarer Energie und meist nicht wettbewerbsfähig.
Batteriespeicher effizienter
Laut Fraunhofer IEE stärkt die Teilnahme von Windparks auf See den Regelreservemarkt. Grundsätzlich seien Batteriespeicher aber effizienter als Windparks. Das Problem der Batteriespeicher sei aber, dass es für die Projektierer schwieriger werde, an das Netz angeschlossen zu werden./lkm/DP/zb
Quelle: dpa-AFX
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