FRANKFURT (dpa-AFX) - Die weiter verschärfte Lage im Nahen Osten im Zuge des inzwischen rund einwöchigen Iran-Kriegs hat am Montag die Rüstungsbranche wieder in den Fokus gerückt. Im tiefroten Marktumfeld zeigten diese Papiere europaweit relative Stärke. Am deutschen Aktienmarkt wurden zudem die Anteilsscheine von Hensoldt
Während der Markt in der Breite von der fortgesetzten Ölpreis-Rally belastet wurde, zogen im Dax
Im deutschen Rüstungssektor fand zum Wochenstart auch der Börsengang des U-Boot-Zulieferers Gabler
In Paris legten Thales
Allgemein belastet derzeit die Sorge um die weltweite Ölversorgung durch die Blockade der Straße von Hormus die Stimmung. Daher reduzieren Anleger weiter Risiken und verkaufen Aktienbestände. Nach Einschätzung von US-Kriegsbeobachtern ist der Schiffsverkehr in der für den internationalen Energiehandel extrem wichtigen Meeresenge um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren passieren normalerweise täglich rund ein Fünftel der globalen Öltransporte.
Die geopolitischen Spannungen spielen den Rüstungswerten aber in die Karten - nach dem seit Jahren anhaltenden Ukraine-Krieg nun auch der Iran-Krieg. Die Hoffnung so mancher Kriegsbefürworter auf einen schnellen Sieg der USA und Israel, ähnlich dem Sechstage-Krieg, hat sich zerschlagen. Aktuell geht das Weiße Haus von einer Kriegsdauer von vier bis sechs Wochen aus. Auch der Einsatz von Bodentruppen wird nicht gänzlich ausgeschlossen. Der Iran berief unterdessen den Sohn des bei einem israelischen Luftangriff getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei zu dessen Nachfolger. US-Präsident Donald Trump allerdings hatte erst kürzlich dem Nachrichtenportal Axios gesagt, dass der 56-jährige Modschtaba Chamenei für ihn "inakzeptabel" sei.
Der Krieg dürfte also weitergehen, was den Blick von Investoren auch auf weiter steigende Rüstungsausgaben und hier insbesondere auf Raketenabwehrsysteme lenkt, wie Citigroup-Analyst Charles Armitage kürzlich schrieb. Profitieren könnten hierzulande vor allem Hersteller und Zulieferer wie Diehl Defence mit seinem bodengestützten Abwehrsystem Iris-T SLM, für das Hensoldt ein wichtiger Zulieferer ist, oder auch das Skyranger-System von Rheinmetall.
Für Hensoldt ist Jefferies-Experte Ben Brown, der die Bewertung der Aktie nun von Analystin Chloe Lemarie übernommen hat, sehr optimistisch. Vor dem Hintergrund der eingehenden Aufträge aus Deutschland wirkten die Jahresziele für den freien Finanzmittelfluss konservativ, schrieb er. Dabei verwies Brown unter anderem auf die Rekordnachfrage nach Luftverteidigungssystemen und darauf, dass sich der Auftragseingang auch 2026 fortsetzen werde. Hensoldt hatte erst Ende Februar zur Vorlage seiner Jahreszahlen mit seinem Ergebnisziel und dem Dividendenvorschlag für 2025 enttäuscht.
Obwohl das Management eine Erhöhung der Investitionsausgaben signalisiert hatte, hauptsächlich wegen der neuen Sensoranlage und dem neuen Optronik-Reparaturzentrum, erscheint dem Jefferies-Experten die prognostizierte Free-Cashflow-Rate von 204 bis 209 Millionen Euro angesichts der hohen Anzahlungen zu niedrig. Da zudem die Bewertung der Hensoldt-Aktie nach dem Rückgang des Prämienaufschlags für deutsche Rüstungswerte inzwischen attraktiver sei, hob er das Anlageurteil von "Hold" auf " Buy". Das Kursziel beließ er unverändert bei 90 Euro./ck/ag/nas
Quelle: dpa-AFX