Boeing will die Entwicklung eines neuen Passagierflugzeugs weiter aufschieben. Konzernchef Kelly Ortberg erklärte am Montag auf der Luftfahrtmesse in Farnborough, dass der US-Flugzeugbauer zunächst seine Finanzen sanieren und das operative Geschäft stabilisieren müsse. Die Aktie notiert am Montagnachmittag 2,3 Prozent tiefer.
• Boeing verschiebt die Entwicklung eines 737-MAX-Nachfolgers um mehrere Jahre und stellt die Sanierung der Bilanz sowie die Stabilität der Produktion in den Vordergrund.
• Neue Großaufträge und ein volles Orderbuch von 695 Milliarden Dollar sichern die Auslastung über Jahre.
• Während der Konkurrent schwächelt, baut Airbus seine Marktposition aus und gibt auch charttechnisch das bessere Bild ab.
Boeing plant einen Nachfolger für sein Mittelstreckenflugzeug Boeing 737 MAX. Das neue Modell soll jedoch frühestens in ein paar Jahren auf den Weg gebracht werden, wie der Boeing-CEO nun bekannt gab. "Erst einmal müssen wir unsere Finanzen wieder auf Vordermann bringen. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir da sind, wo wir hinwollen", so Ortberg. Erst danach könne Boeing ernsthaft über den Start eines neuen Flugzeugprogramms nachdenken. Neben einer soliden Bilanz müssten auch die notwendigen Technologie ausgereift und die Nachfrage der Airlines groß genug sein, um den Entwicklungsschritt zu rechtfertigen.
Damit rückt die bestehende Produktpalette weiter in den Mittelpunkt. Nach den Produktions- und Qualitätsproblemen der vergangenen Jahre konzentriert sich der US-Flugzeugbauer darauf, die Fertigung der 737 MAX hochzufahren und die Auslieferungen zu stabilisieren. Auch die Fluggesellschaften fordern derzeit vielmehr zuverlässige Liefertermine statt neue Modelle.
Auftragsbücher füllen sich
Für Lichtblicke sorgen derweil neue Bestellungen im Rahmen der Farnborough Airshow 2026. Der Flugzeugfinanzierer SMBC Aviation Capital orderte 100 Maschinen der 737-MAX-Familie. Zudem zog die saudi-arabische Fluggesellschaft Riyadh Air die Kaufoptionen aus einer früheren Bestellung für weitere 28 Großraumjets vom Typ 787 Dreamliner. Auch US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass die neue Air Force One in den kommenden Wochen nachgerüstet werden soll. Die Präsidentenmaschine basiert auf einer Boeing 747.
Zum Ende des ersten Quartals 2026 lag der Auftragsbestand bei 695 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind mehr als 6.100 Verkehrsflugzeuge. Dem steht den Analystenschätzungen zufolge ein Jahresumsatz von 98 Milliarden Dollar gegenüber, womit der Backlog gut dem Siebenfachen der erwarteten Erlöse entspricht. Dies sichert Boeing über Jahre hinaus die Auslastung der Produktion sowie eine gute Visibilität der Umsätze. Entscheidend bleibt allerdings, dass der Konzern seine Produktion weiter stabilisiert und die Maschinen termingerecht ausliefern kann.
Airbus bleibt im Vorteil
Strategisch dürfte die Einsteidung, vorerst kein neues Mittelstreckenflugzeug zu entwickeln, für Boeing dennoch zum Nachteil werden. Während der US-Luftfahrtkonzern zunächst seine Altlasten abschütteln muss, hat der europäische Rivale freie Bahn. Airbus baut mit seinem Erfolgsmodell A320neo seine Stellung auf dem Markt für zivile Flugzeuge weiter aus.
Das bleibt auch an den Börsen nicht folgenlos: Auf Jahressicht hat die Airbus-Aktie 3,6 Prozent gewonnen, die Boeing-Aktie 8,8 Prozent verloren. Zuletzt rutschte der Kurs von Boeing erneut unter den GD50 und den GD200. Damit hat sich das Chartbild nach den kräftigen Schwankungen der letzten Monate weiter eingetrübt.
Nachdem auch die wichtige Unterstützung bei 212 Dollar unterschritten wurde, gilt es jetzt, die runde 200-Dollar-Marke zu verteidigen. Damit der Chartbild wieder freundlicher aussieht, müsste Boeing zunächst sowohl die 200-Tage-Linie (bei 218,58 Dollar) als auch die 50-Tage-Linie (bei 221,96 Dollar) zurückerobern und anschließend die markante Hürde bei rund 230 Dollar nehmen.
Die Aussagen von Boeing-Chef Ortberg zeigen, dass der Flugzeugbauer seine operativen Probleme noch nicht vollständig ausgemerzt hat und die Rückkehr zu alter Stärke Jahre dauern wird. Gleichwohl senden die vollen Auftragsbücher positive Signale in Richtung Zukunft. Die Aktie zeigt sich allerdings enorm volatil, was ein Investment mit erheblichen Risiken belastet. DER AKTIONÄR zieht im Luftfahrtsektor die Aktien von Airbus vor. Das Kursziel von 250 Euro stellt hier ein Plus von rund 30 Prozent in Aussicht.
20.07.2026, 17:21
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