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19.02.2020 Martin Mrowka

Airbus-Konkurrent Boeing: Hört das denn nie auf?

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Boeing
Trendthema

Seit fast einem Jahr müssen Boeing-Maschinen vom neuen Typ 737 Max am Boden bleiben, da Software-Probleme zum Absturz von zwei Flugzeugen geführt hatten. Bis Mitte Januar wurden weiterhin Flieger dieses Typs produziert und warten nun auf Freigabe durch die Sicherheitsbehörden. Bei Wartungsarbeiten an diesen Maschinen sind neue Probleme aufgetaucht: "Fremdkörper" in den Kerosin-Tanks.

Der angeschlagene US-Luftfahrtkonzern Boeing ist auf ein neues Problem gestoßen. Während der Wartungsarbeiten seien in Treibstofftanks einiger Maschinen, die derzeit zwischengelagert werden, Fremdkörper gefunden worden, teilte Boeing mit. Dies habe zu einer umfassenden internen Untersuchung und sofortigen Korrekturen im Produktionssystem geführt.

Boeing hatte im vergangenen Jahr zahlreiche 737-Max-Jets auf Halde produziert, die wegen des Flugverbots bislang nicht ausgeliefert werden konnten. Der Konzern rechnet aber nach eigenen Angaben trotz der nun angekündigten Inspektionen weiter damit, dass die 737 Max Mitte des Jahres wieder für den Flugbetrieb zugelassen wird. Der bestverkaufte Flugzeugtyp des amerikanischen Airbus-Rivalen darf seit Mitte März 2019 wegen der Abstürze mit insgesamt 346 Toten nicht mehr abheben. Als entscheidende Ursache der Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Flugzeuge. Dieses Problem hatte Boeing eigentlich längst per Software-Update behoben haben wollen, doch die Freigabe durch die Aufsichtsbehörden liegt noch immer nicht vor.

In einem Memo an die Mitarbeiter bezeichnete Boeings 737-Produktionsmanager Mark Jenks den Fund der Teile in den Treibstofftanks der zwischengelagerten Flugzeuge als "absolut inakzeptabel". In Boeings Werk in Renton nahe Seattle seien bereits neue Arbeitsabläufe mit aktualisierten Instruktionen und zusätzlichen Prüfungen eingeführt worden, um das Problem abzustellen. Die gefundenen Teile wurden als "foreign object debris" bezeichnet - demnach könnte es sich um Unrat wie Reste von Bauteilen oder von Arbeitern zurückgelassene Werkzeuge handeln. Dieses Problem hatte Boeing in der Vergangenheit schon bei anderen Modellen wie dem Tankflugzeug KC-46.

Berichte über solche Produktionsmängel hatten den Flugzeugbauer im vergangenen Jahr auch schon hinsichtlich des Langstreckenjets 787 "Dreamliner" unter Druck gebracht. So berichtete die New York Times von Sicherheitsrisiken im Boeing-Werk in North Charleston, auch hier sollen Fremdkörper in Flugzeugen gefunden worden seien. So seien etwa Metallspäne nicht ordentlich beseitigt und defekte Teile in den Fliegern installiert worden. Die Zeitung berief sich auf Hunderte Seiten an internen E-Mails, Dokumente des Unternehmens und Unterlagen von Behörden sowie Interviews mit über einem Dutzend Mitarbeitern. Boeing hatte die Vorwürfe damals allerdings entschieden zurückgewiesen.

Die Boeing-Aktie reagierte zuletzt wenig. Im US-Handel ging der Dow-Jones-Wert in abgeschwächtem Umfeld mit einem Tagesverlust von einem halben Prozent bei 338,88 Dollar in den Feierabend. Trotz aller Probleme konnte sich der Wert zuletzt stabilisieren.

Boeing (WKN: 850471)

Charttechnisch befindet sich Boeing weiterhin in einem mittelfristigen Abwärtstrend. Erst wenn die 200-Tage-Linie (aktuell bei knapp 352 Dollar) überwunden wird, könnte sich die Situation aufhellen.

Die Aktie vom Konkurrenten Airbus läuft derweil in einem Aufwärtstrend. Der Flugzeugbauer teilte kürzlich mit, seine Produktionskapazitäten auszuweiten. Mit einer neuen Strukturmontage für das Flottenmitglied A321XLR bereite sich das Unternehmen auf die Auslieferung der ersten A321XLR im Jahr 2023 vor, teilte Airbus mit. Begründet wurde der Ausbau mit dem "weltweiten Markterfolg". Zur A320-Familie gehört auch der Boeing-737-Konkurrent A319.

Das neue Flottenmodell mit einem Mittelgang (single aisle) wird laut Airbus mit einem in die Rumpfstruktur integrierten Zusatztank gefertigt. Er trage dazu bei, dass sich die Reichweite des Flugzeuges auf bis zu 8.700 Kilometer ausdehnt, wodurch auch Langstreckenflüge beispielsweise aus Europa nach Amerika oder Asien möglich werden sollen. In Hamburg werden unter anderem die Rumpfsektionen für alle Flugzeuge der A320-Familie weltweit gefertigt.

Am Dienstag hat die Schweizer Bank Credit Suisse das Kursziel für Airbus von 146 auf 170 Euro angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen. Im Optimalfall könnten die Papiere des Flugzeugbauers binnen zwölf Monaten gar auf 200 Euro klettern, schrieb Analyst Olivier Brochet in einer aktuellen Studie. Er begründet dies mit dem Wachstums- und Aktienrückkauf-Potenzial des Konzerns. (Mit Material von dpa-AFX) 

Airbus (WKN: 938914)

Airbus bleibt weiterhin vor Boeing die bessere Wahl unter den Flugzeugbauern. Vor allem die gute Auftragslage spricht für den europäischen Konzern. Engagements sollten mit einem Stopp bei 111 Euro nach unten abgesichert werden.