Deep Tech dürfte die kommenden Jahre entscheidend prägen und Anlegern zugleich Chancen eröffnen, wie es sie an der Börse nur selten gibt.
Hinter der nächsten Technologiewelle stehen nicht nur Algorithmen, sondern Chips, Rechenzentren, Stromnetze, Roboter und neue Materialien. Deep Tech verbindet wissenschaftliche Durchbrüche mit industrieller Anwendung und revolutioniert so Schritt für Schritt auch unser alltägliches Leben. In seinem neuen Börsenbrief deeptech REPORT spürt Tech-Experte Sascha Röhrer vielversprechende Profiteure dieser nächsten Technologiewelle auf und gibt den Lesern von DER AKTIONÄR exklusive Einblicke in die wichtigsten Zukunftsthemen.
DER AKTIONÄR: Sascha, du beschäftigst dich beruflich und privat viel mit Zukunftsthemen und nimmst auch regelmäßig an internationalen Fachkonferenzen teil. Was genau ist Deep Tech und was fasziniert dich daran?
Sascha Röhrer: Deep Tech ist Technologie, die auf echten wissenschaftlichen oder ingenieurtechnischen Durchbrüchen basiert. Also nicht die nächste Liefer-App, sondern Halbleiter, Quantencomputer, Biotechnologie, Robotik, neue Materialien, Energietechnik, KI. Sachen, die man nicht in sechs Monaten nachbauen kann, weil dahinter Jahre an Forschung und Entwicklung stecken.
Mich faszinieren daran zwei Dinge. Erstens, hier entscheidet sich, welche Unternehmen und welche Regionen in zehn Jahren die Gewinner sind. Wer zum Beispiel heute die Fertigungstechnik für Chips beherrscht oder die Energieversorgung für Rechenzentren löst, sitzt an einem Flaschenhals, durch den alle anderen durchmüssen. Zweitens der Informationsvorsprung. Die wichtigsten Signale stehen selten in den großen Wirtschaftsmedien. Sie stecken in Fachpublikationen, in Zulieferdaten, in regulatorischen Meldungen, oft in ausländischen Quellen. Wer dort hinschaut, sieht Entwicklungen Monate, bevor sie im Aktienkurs stehen.
In deinem Börsenbrief deeptech REPORT verbindest du diese technologischen Einblicke mit konkreten Aktienempfehlungen. Worauf können sich Leser freuen?
Auf Systematik statt Bauchgefühl. Wir screenen jede Woche weltweit mehrere hundert Quellen und tausende Meldungen über 15 Deep-Tech-Sektoren. Von KI und Halbleitern über Quantencomputer und Biotech bis Raumfahrt und Robotik. Darunter sind ausländische Fachmedien, wissenschaftliche Vorabveröffentlichungen und regulatorische Meldungen, die man so normalerweise nicht auswertet.
Die eigentliche Kernleistung ist aber die Übersetzung. Die wenigsten Technologie-Nachrichten nennen eine Aktie. Wir deklinieren jede relevante Entwicklung über die komplette Wertschöpfungskette durch. Wer profitiert, wer gerät unter Druck, wo sitzt der übersehene Zulieferer in der zweiten Reihe. Daraus entsteht jede Woche ein Brief mit Leitanalyse, Sektoranalysen, versteckten Perlen abseits der bekannten Namen und einer Fokus-Liste mit konkreten Titeln, die wir transparent nachhalten. Und das Ganze in einer Sprache, die jeder versteht. Man muss kein Ingenieur sein, um mitzukommen.
15 Deep-Tech-Sektoren werden im deeptech REPORT wöchentlich gescreent.
Wo stehen wir gerade bei der aktuellen Innovationswelle?
Mitten in der Infrastruktur-Phase. Die erste Euphorie um KI-Software liegt hinter uns, jetzt wird gebaut! Rechenzentren, Chips, Stromnetze, Kühlung, Speicher. Das erinnert an das frühe Internet, mit einem entscheidenden Unterschied: Diesmal stehen hinter den Investitionen reale Umsätze und Gewinne, keine Klickzahlen.
Spannend wird die zweite Welle, die gerade anläuft. KI trifft auf die physische Welt. Roboter, die aus Videodaten lernen. KI-gestützte Wirkstoffentwicklung in der Biotechnologie. Materialforschung im Zeitraffer. Da verschiebt sich die Wertschöpfung von der reinen Rechenleistung hin zu Unternehmen, die KI in Produkte und Fabriken bringen. Und parallel läuft ein Thema, das viele unterschätzen. Der Engpass wandert. Erst waren es die Chips, jetzt ist es der Strom. Wer die Energieversorgung für diese Rechenleistung löst, hat auf Jahre volle Auftragsbücher.
20 Prozent des weltweiten Wagniskapitals fließt inzwischen in Deep Tech.
Welcher Sektor ist für dich derzeit besonders interessant?
Der für mich derzeit spannendste Bereich ist physische KI, also Robotik und Automatisierung. Dort passiert gerade das, was bei Sprachmodellen 2022 passiert ist: Foundation Models machen Maschinen erstmals flexibel einsetzbar; das Wagniskapital in dem Feld hat sich in den USA verdreifacht. Und anders als beim Quantencomputing gibt es hier schon heute Umsätze und volle Auftragsbücher, von der Industrieautomatisierung bis zur Verteidigung.
Wenn du den Blick auf die nächsten Jahre richtest: Welche Entwicklungen könnten die wichtigsten Impulse bei Deep Tech setzen?
Vier Themen stehen für mich oben. Erstens Robotik und das, was die Branche „Physical AI“ nennt. KI, die nicht mehr nur Texte schreibt, sondern Maschinen steuert. Die Fortschritte bei humanoiden Robotern und Fabrikautomatisierung sind gerade enorm, vor allem in Asien. Zweitens Energie als das Deep-Tech-Thema schlechthin. Der Strombedarf der KI zwingt zu Investitionen in Netze, Speicher, Kernkraft und neue Reaktorkonzepte.
Drittens der Übergang beim Quantencomputing von der Forschung zu ersten kommerziellen Anwendungen. Das wird kein einfacher Weg, aber die Meilensteine kommen inzwischen in kürzeren Abständen. Und viertens Technologiesouveränität. Die USA, Europa und China investieren Hunderte Milliarden, um bei Chips, Verteidigungstechnik und kritischen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Das ist kein Zyklus, das ist eine Dekaden-Aufgabe und ein verlässlicher Rückenwind für die richtigen Titel.
„Deep Tech ist der Ort, an dem die Gewinner-Aktien der nächsten zehn Jahre entstehen.“
Worauf sollten Anleger jetzt bei Deep-Tech-Aktien besonders achten, um die spannendsten Chancen nicht zu verpassen?
Die wichtigste Übung ist, Technologie-These und Investment-These zu trennen. Eine Technologie kann die Welt verändern und die Aktie kann trotzdem zu teuer sein. Konkret heißt das, auf zahlende Kunden und Auftragsbücher achten statt auf Ankündigungen, auf den Kapitalbedarf der nächsten Jahre schauen und die Bewertung ernst nehmen. Im Quantensektor stehen aktuell Milliardenbewertungen minimalen Umsätzen gegenüber, da ist viel Zukunft schon bezahlt. Dazu gehört Disziplin bei der Positionsgröße, denn einzelne Titel können auch bei intakter Story 50 Prozent korrigieren. Wer das aushält und selektiv bleibt, findet in diesem Umfeld Chancen, wie es sie an der Börse nur selten gibt.
Jetzt in die Deep-Tech-Zukunft investieren
Der deeptech REPORT identifiziert jede Woche die aussichtsreichsten Deep-Tech-Aktien der Welt – datenbasiert, systematisch und mit klarem Fokus auf überdurchschnittliches Wachstumspotenzial.
Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 30/2026 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.
Weitere Informationen zum deeptech REPORT finden Sie hier.
19.07.2026, 10:00
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