Erst Rekordhoch, dann Kursrutsch: Softbank erlebt einen harten Stimmungswechsel. Die Aktie des japanischen Tech-Investors fiel in Tokio heute zweistellig und ist damit deutlich stärker unter Druck geraten als viele andere asiatische Technologiewerte. Auslöser ist die breitere Gewinnmitnahme im KI- und Tech-Sektor. Doch bei Softbank kommt ein besonderer Faktor hinzu.
Der Konzern ist inzwischen eine der aggressivsten Wetten auf den KI-Boom. Die Softbank-Aktie hatte zuletzt einen spektakulären Lauf. Die Aktie ist seit Jahresbeginn rund 70 Prozent gestiegen. Softbank steht symbolisch für den neuen KI-Rausch am japanischen Aktienmarkt.
Softbank-Chef Masayoshi Son (Foto oben) ist mit der von ihm geleiteten Gesellschaft der größte Geldgeber von OpenAI, hält über Arm eine zentrale Beteiligung im Chip- und KI-Infrastrukturgeschäft und investiert Milliarden in neue Rechenzentrums- und Energieprojekte. Erst diese Woche kündigte der Konzern Investitionen in KI-Infrastruktur in Europa an.
Son selbst gibt sich weiter maximal offensiv. Gegenüber CNBC sagte er, die KI-Revolution könne 50-mal größer werden als die Dotcom-Revolution. Eine mögliche Korrektur wäre für ihn sogar die beste Investmentchance.
Schulden-Drama? Abstufungen für Softbank
Solche Aussagen zeigen aber auch das Risiko. Softbank ist keine defensive Tech-Aktie. Der Konzern ist eine hochgehebelte Wette auf die langfristige KI-Story. Softbank hatte zuletzt Verbindlichkeiten von rund 113 Milliarden Dollar ausgewiesen, nach 77 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Zusätzlich nahm der Konzern im April weitere 20 Milliarden Dollar auf, um die OpenAI-Investitionen zu finanzieren. Eine weitere Finanzierung in ähnlicher Größenordnung ist geplant.
Die Deutsche Bank hat Softbank zuletzt wegen Bewertungs- und KI-Euphorie-Sorgen auf „Halten“ abgestuft.
S&P hatte den Ausblick für Softbank bereits im März von stabil auf negativ gesenkt.
Der Rausch muss nicht endgültig vorbei sein. Kurzfristig spricht vieles für Gewinnmitnahmen. Auch andere asiatische Tech-Werte stehen unter Druck. Samsung (rund sieben Prozent im Minus) und SK Hynix (rund 9 Prozent im Minus) gaben heute ebenfalls im asiatischen Handel nach. Softbank trifft es besonders hart, weil die Aktie zuvor massiv gestiegen war und die Bewertung stark an die KI-Fantasie gekoppelt ist. Zudem handelt es sich um eine relativ volatile Beteiligungsgesellschaft mit erheblichen Risiken durch hohe Schulden und Start-up-Beteiligungen. DER AKTIONÄR hatte daher zuletzt ohnehin noch attraktivere Aktien als Softbank im Chip- und KI-Bereich identifiziert und darüber regelmäßig im Heft berichtet.
Heute, 13:37