SAP hat den Ausverkauf der Tech- und Softwarewerte an der Wall Street fast unbeschadet überstanden: Die Aktie schloss am Donnerstag 1,1 Prozent tiefer bei 208,90 Euro, während Alphabet 12,6 Prozent und ServiceNow 27 Prozent verloren. Nachbörslich rutschte auch Amazon um bis zu 7,3 Prozent ab. Bei Alphabet und Amazon stoßen sich die Anleger an den Milliarden für künstliche Intelligenz – eine Rechnung, die SAP nicht selbst bezahlen muss.
SAP-Aktie: Wer zahlt die Rechnung für die KI?
Alphabet hat im dritten Quartal 51,36 Milliarden Dollar in Server, Rechenzentren und Netze gesteckt, gut doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Weil das mehr ist, als das laufende Geschäft an Bargeld einbringt, rutschte der freie Cashflow auf minus 9,07 Milliarden Dollar. Bei Amazon liegt er über zwölf Monate gerechnet bei minus 42,36 Milliarden Dollar, vor allem wegen der Investitionen in künstliche Intelligenz.
SAP steht auf der anderen Seite dieser Rechnung. Die Walldorfer bieten ihre Cloud-Software auch auf den Plattformen von Amazon, Google und Microsoft an und mieten dort Rechenleistung, statt sie selbst zu bauen. Die Nachfrage ist da: Die Clouderlöse stiegen im dritten Quartal um 26 Prozent, der Cloud-Auftragsbestand für die kommenden zwölf Monate um 28 Prozent auf 24,14 Milliarden Euro.
Entwarnung ist das nicht. Die Sorge, dass künstliche Intelligenz klassische Unternehmenssoftware verdrängt, hatte die Aktie im Juli bis auf 127,50 Euro gedrückt; der Absturz von ServiceNow zeigt, wie schnell sie zurückkehren kann. Zudem sank die Cloud-Bruttomarge im dritten Quartal auf 74,3 Prozent nach 75,1 Prozent, und für den Auftragsbestand erwartet SAP selbst ein leicht nachlassendes Wachstum.
SAP schloss am Donnerstag bei 208,90 Euro. Den ersten Widerstand bildet das Hoch vom 22. Oktober bei 216,65 Euro, markiert nach den Quartalszahlen. Unterstützung bietet das Tagestief vom Donnerstag bei 203,20 Euro, wo Käufer den Ausverkauf der Softwarewerte auffingen. Darunter liegt die 50-Tage-Linie bei 190,85 Euro; über der 200-Tage-Linie bei 165,16 Euro notiert die Aktie 26,5 Prozent. Fällt sie nachhaltig unter 203,20 Euro, wäre die Erholung seit den Zahlen vom 21. Oktober angeschlagen.
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